Roter Teppich für die Mächtigen, blutige Kirchen für die Christen – Deutschlands unbequeme Doppelmoral
Von Alfred-Walter von Staufen | Freunde der Erkenntnis | 29. Oktober 2026
Unsere Redaktion erhielt eine Pressemitteilung des Assyrischen Kulturvereins e. V. Saarlouis und der Assyrischen Autonomie Bewegung e. V. Deutschland. Darin beklagen die Verfasser den tödlichen Angriff auf eine Kirche in Jordanien und fragen, warum Christen und andere Minderheiten in Syrien noch immer um ihre Sicherheit bangen müssen. Wir hätten diese Erklärung abdrucken, ein paar wohlmeinende Sätze hinzufügen und anschließend zur Tagesordnung übergehen können. Stattdessen haben wir ihre Hintergründe selbst recherchiert, Regierungsdokumente gelesen, Menschenrechtsberichte verglichen und nach den deutschen Verbindungen gefragt. Was dabei sichtbar wurde, ist kein Beweis für einen geheimen gemeinsamen Vernichtungsplan und auch kein Anlass, eine ganze Religion unter Verdacht zu stellen. Es ist etwas politisch mindestens ebenso Unbequemes: eine traurige Geschichte von bedrohten Gemeinden, diplomatischen Empfängen und einer deutschen Außenpolitik, deren schöne Bekenntnisse sich an ihren Ergebnissen messen lassen müssen.
Neun Tote, eine Kirche und die unerträgliche Gewöhnung
Am 23. Oktober 2026 kamen Menschen in der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im jordanischen Hamoud zusammen, um einen Verstorbenen zu verabschieden; bewaffnete Männer eröffneten das Feuer, neun Menschen starben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Man stelle sich nur für einen Augenblick die letzte Bankreihe vor, die Trauergäste, das leise Gespräch vor der Zeremonie, die Erwartung, einem Angehörigen die letzte Ehre erweisen zu dürfen, und dann das Geräusch von Schüssen. König Abdullah II. versprach ein entschlossenes Vorgehen, die Behörden nahmen drei Verdächtige fest; wer die Tat angeordnet hat und welche Verbindungen die Männer unterhielten, war zunächst nicht abschließend geklärt (1). Eine Kirche ist kein Schlachtfeld, eine Trauerfeier keine militärische Stellung und ein Mensch, der betet, kein zulässiges Ziel. Wer das erst anhand der Nationalität des Opfers überprüfen muss, hat den Maßstab bereits verloren.
Jordanien griff am 26. Oktober mutmaßliche Stellungen des sogenannten Islamischen Staates in Südsyrien an. Die syrischen Behörden meldeten sieben getötete Zivilisten, darunter Kinder; Jordanien bedauerte zivile Opfer, und beide Länder vereinbarten eine gemeinsame Untersuchung. Gerade diese erschütternde Fortsetzung verbietet billigen Jubel über militärische Vergeltung: Wer Christen schützen will, darf den Tod unbeteiligter syrischer Familien nicht als lästige Fußnote behandeln (2). Der Terrorist sucht Opfer. Der Rechtsstaat sucht Täter. In diesem Unterschied liegt seine Würde.
Syrien: ein Land, in dem die Kirchen leerer werden
Wer die Angst syrischer Christen verstehen will, muss sich nicht in abenteuerliche Geheimdienstromane flüchten. Die Bundesregierung selbst verweist auf Schätzungen, wonach die christliche Bevölkerung von ungefähr zwei Millionen Menschen im Jahr 2011 auf etwa 300.000 zurückgegangen ist; zugleich erklärt sie ausdrücklich, dass belastbare aktuelle Bevölkerungsstatistiken fehlen. Diese Zahlen beschreiben keine Zahl ermordeter Christen, denn hinter dem Rückgang stehen Krieg, Flucht, Auswanderung, wirtschaftlicher Zusammenbruch und Gewalt. Aber sie beschreiben den möglichen Verlust einer über Jahrhunderte gewachsenen Lebenswelt: Schulen ohne Schüler, Familienhäuser ohne Familien und Gemeinden, deren letzte Bewohner die Schlüssel ihrer Kirchen vielleicht irgendwann an einen Nachbarn übergeben müssen (3). Man kann über Ursachen streiten. Den Verlust selbst sollte niemand kleinreden.
Die Gräueltaten der jüngeren Vergangenheit sind dokumentiert. Human Rights Watch berichtet für März 2025 von mindestens 1.400 Getöteten in den überwiegend alawitischen Küstenregionen durch staatliche und verbündete Kräfte; im Juli folgten schwere Verbrechen gegen Drusen in Suweida, an denen unterschiedliche bewaffnete Akteure beteiligt waren (4). Am 22. Juni 2025 wurde die Mar-Elias-Kirche in Damaskus von einem Selbstmordattentäter angegriffen, 25 Menschen starben nach späteren amtlichen Angaben (5). Und am 3. Oktober 2026 schossen bewaffnete Männer nach Berichten des katholischen Hilfswerks Kirche in Not in der überwiegend christlichen Stadt Al-Suqaylabiyah auf Häuser und auf das Fahrzeug eines orthodoxen Priesters; vorausgegangen war ein Streit zwischen jungen Leuten benachbarter Orte (6). Nicht jeder dieser Fälle hat dieselben Täter und Motive. Gemeinsam ist ihnen, dass Minderheiten Schutz brauchen, den sie nicht zuverlässig erfahren.
Der Gast in Berlin und die Frage nach seiner Verwandlung
Am 30. März 2026 empfingen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz Syriens Übergangspräsidenten Ahmad al-Sharaa in Berlin. Der Mann, der früher die mit al-Qaida verbundene al-Nusra-Front führte und später an der Spitze der HTS stand, bewegte sich nun durch die Räume deutscher Staatsrepräsentation, sprach über Wiederaufbau und politische Zukunft. Merz sagte Unterstützung für ein stabileres Syrien zu und sprach ausdrücklich die Rechte von Minderheiten an (7). Das ist Diplomatie, keine juristische Entlastung von Verbrechen und erst recht kein Beweis deutscher Zustimmung zu religiöser Gewalt. Doch die Bilder eines solchen Empfangs entfalten ihre eigene politische Sprache. Wer einst Waffen befehligte und heute Staatsverträge verhandelt, wird nicht schon durch einen gebügelten Anzug zum verlässlichen Hüter religiöser Freiheit.
Vielleicht hat sich al-Sharaa tatsächlich verändert; Menschen können politische Wege verlassen, selbst furchtbare. Vielleicht aber sind manche westlichen Regierungen vor allem entschlossen, in einem zerstörten Land endlich einen Ansprechpartner zu haben, der Rückführungen, Handel und Sicherheitsabsprachen ermöglicht. Beides sind Möglichkeiten, keine bewiesenen Motive. Was sich überprüfen lässt, ist der Umgang seiner Regierung mit schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die unabhängige amerikanische Kommission USCIRF kritisierte im Mai 2026, syrische Übergangsbehörden hätten Religionsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht ausreichend gewährleistet; sie benannte Gewalt sowohl staatlicher als auch nichtstaatlicher Täter (8). Das ist kein Urteil über jeden syrischen Beamten, wohl aber eine ernste Mahnung an dessen politische Spitze.
Wenn Berlin die Gefahr anders beurteilt
Besonders aufschlussreich ist eine Antwort der Bundesregierung vom 21. September 2026. Eine gezielte, systematische Gruppenverfolgung christlicher Menschen in Syrien sei derzeit, so die offizielle Einschätzung, nicht anzunehmen; Religionsausübung sei grundsätzlich möglich, wenn auch die Sicherheitslage volatil bleibe. Die Übergangsregierung habe Schutz zugesagt, die hauptsächliche Bedrohung gehe von terroristischen Gruppierungen wie dem IS aus (9). Man sollte diesen Befund fair wiedergeben, gerade wenn man ihn kritisiert. Berlin behauptet nicht, dass alles in Ordnung sei. Berlin zieht eine engere Schlussfolgerung aus einer Lage, die andere Beobachter deutlich düsterer bewerten.
Was bedeutet aber „grundsätzlich möglich“, wenn der Gottesdienst theoretisch erlaubt, der Heimweg jedoch von Furcht begleitet ist? Was hilft einem christlichen Ladenbesitzer die Verfassungserklärung, wenn bewaffnete Männer an seiner Haustür stehen? Die Frage richtet sich nicht gegen die sorgfältige Unterscheidung zwischen einzelnen Verbrechen und systematischer Staatsverfolgung; diese Unterscheidung ist notwendig. Sie richtet sich gegen die politische Versuchung, eine formal gewährte Freiheit bereits für eine gelebte Sicherheit zu halten. Ein Recht, das nur im amtlichen Papier zuverlässig existiert, ist für den bedrohten Bürger ein dünner Trost.
Schwarze Fahnen, reale Netzwerke und falsche Vereinfachungen
Die beiden assyrischen Organisationen verlangen ein ausdrückliches Verbot von Propagandasymbolen des IS und von al-Qaida. Ihr Anliegen entspringt einer Erfahrung, die in Europa allzu leicht zur historischen Randnotiz wird: Der IS hat christliche, jesidische und andere Gemeinschaften mit Terror, Vertreibung und schwersten Verbrechen überzogen. Das Syrian Observatory for Human Rights berichtete im Mai 2025, IS-Fahnen und einschlägige Aufkleber seien in Syrien öffentlich angeboten oder gezeigt worden, ohne dass Behörden ausreichend eingeschritten seien (10). Ob der heutige syrische Gesetzesstand alle geforderten Kennzeichen bereits eindeutig erfasst, lässt sich aus diesen Beobachtungen allein nicht entscheiden. Ein konkretes Verbot verdient rechtsstaatliche Prüfung; es sollte identifizierbare Terrorpropaganda treffen, nicht religiöse Formeln oder unbescholtene Gläubige.
Ebenso wenig stimmt die bequeme Behauptung, die neue syrische Führung tue überhaupt nichts gegen den IS. Die EU-Asylagentur berichtet unter Berufung auf UN-Angaben von mindestens 278 Festnahmen mutmaßlicher IS-Mitglieder, 45 vereitelten Anschlägen und 23 zerschlagenen Zellen im Jahr 2025 (11). Das ist relevant, doch es entbindet niemanden von der Frage, wie unabhängig Ermittler arbeiten, ob Kommandeure für Übergriffe belangt werden und warum Menschen sich trotz solcher Zahlen nicht sicher fühlen. Ein Sicherheitsbericht ist kein Ersatz für Sicherheit. Auch eine Statistik kann nicht an der Kirchentür Wache stehen.
Pakistan: militärische Ehren und die Blasphemiegesetze
Am selben 23. Oktober 2026, an dem in Jordanien Schüsse auf eine Kirche fielen, wurde Pakistans Präsident Asif Ali Zardari in Berlin von Steinmeier empfangen; nach Angaben des pakistanischen Präsidialamts gehörte eine Ehrenformation im deutschen Verteidigungsministerium zum Besuchsprogramm. Beide Ereignisse stehen nicht in ursächlichem Zusammenhang, ihre zeitliche Nachbarschaft ist dennoch eine schneidende Erinnerung an die Gegensätze internationaler Politik (12). Pakistan steht bei Open Doors 2026 auf Rang acht der Länder mit besonders hohem Verfolgungsdruck auf Christen; die USCIRF kritisiert Blasphemiegesetze, Gewalt durch Menschenmengen und erzwungene Konversionen von Angehörigen religiöser Minderheiten (13).
Deutschland sagte Pakistan im November 2025 für die Jahre 2025 und 2026 insgesamt 114 Millionen Euro an neuer finanzieller und technischer Entwicklungszusammenarbeit zu, mit Schwerpunkten etwa bei Klima, Ausbildung und sozialer Sicherung. Zusagen sind keine bereits überwiesenen Summen, und Bildungsförderung ist nicht mit Geld für eine Regierungskasse gleichzusetzen (14). Gerade deshalb muss man genauer fragen: Gehört die Durchsetzung von Religionsfreiheit zu den überprüfbaren Erwartungen dieser Partnerschaft, oder verschwindet sie hinter der nächsten freundlich formulierten gemeinsamen Erklärung? Man darf mit Pakistan reden. Man sollte dabei nur die Mädchen, die wegen ihres Glaubens unter Druck geraten, nicht aus dem Gespräch herausverhandeln.
Nigeria: die Toten haben keine Lobby
Im nigerianischen Yelwata wurden im Juni 2025 bei einem verheerenden Angriff etwa 150 Menschen getötet; im Februar 2026 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen neun mutmaßlich Beteiligte. Die Gewalt im sogenannten Middle Belt speist sich aus mehreren Konflikten, darunter Landnutzung, ethnische Spannungen, organisierte Kriminalität und religiöse Feindschaft (15). Die Bundesregierung lehnt die pauschale Bewertung als Genozid an Christen ab und verweist auf diese verschiedenen Ursachen; das kann man sachlich nachvollziehen, ohne die religiös motivierten Verbrechen irgendeines Täters zu relativieren (16). Wer einen ermordeten Bauern nur noch als statistischen Ausdruck eines Ressourcenkonflikts beschreibt, mag fachlich korrekt beginnen und menschlich dennoch zu früh aufhören.
Deutschland unterhält eine enge Partnerschaft mit Nigeria, auch in Wirtschaft und Sicherheit; das Auswärtige Amt nennt ein Engagement von GIZ und KfW mit einem Volumen von mehr als 710 Millionen Euro, verteilt über unterschiedliche Vorhaben und Laufzeiten. Diese Summe ist kein jährlicher Geldtransfer an die nigerianische Regierung und schon gar kein Beleg für die Finanzierung von Gewalttätern (17). Bundespräsident Steinmeier besuchte das Land im Dezember 2024 (18). Die unbequeme Frage bleibt, welchen messbaren Fortschritt beim Schutz bedrohter Gemeinden diese Partnerschaft hervorbringt. Keine Empfangsrede kann ihn ersetzen.
Deutsches Geld: Hilfe für Menschen oder Schonung der Mächtigen?
In Syrien stellte das Bundesentwicklungsministerium 2025 rund 218 Millionen Euro für Wiederaufbau und Stabilisierung zur Verfügung. Das Ministerium erklärt ausdrücklich, die Gelder würden über Vereinte Nationen, Nichtregierungsorganisationen und Durchführungsinstitutionen eingesetzt; die syrische Übergangsregierung erhalte keine direkten Finanzmittel daraus (19). Wer daraus den Satz macht, Berlin überweise al-Sharaa Hunderte Millionen zur freien Verfügung, erzählt nicht die Wahrheit. Wer umgekehrt meint, mit der richtigen Buchungsstelle sei jede politische Verantwortung erledigt, macht es sich ebenso einfach. Der Steuerzahler darf wissen, wer Projekte kontrolliert, wie Missbrauch verhindert wird und ob bedrohte Minderheiten tatsächlich Zugang zu den Leistungen erhalten.
Ein pauschaler Stopp von Hilfe wäre keine Heldentat. Er könnte Familien treffen, die weder einen Präsidenten gewählt noch einen Milizionär bewaffnet haben, darunter gerade Christen und andere Minderheiten. Nötig ist deshalb eine härtere, nicht eine blindere Politik: unabhängige Kontrollen, öffentlich nachvollziehbare Empfängerwege, Schutz für lokale Hilfsorganisationen, konsequente Ermittlungen gegen Täter und konkrete menschenrechtliche Maßstäbe für die politische Zusammenarbeit. Vielleicht fürchtet Berlin, ohne den neuen syrischen Machthaber bei Flüchtlingsrückkehr und Wiederaufbau gar nichts zu erreichen; das wäre ein nachvollziehbares diplomatisches Kalkül, aber keine öffentlich belegte Entschuldigung für Nachsicht. Wer aus Staatsräson schweigt, sollte wenigstens erklären können, wem sein Schweigen dient.
Christenverfolgung ist kein Freibrief für neue Feindbilder
Open Doors spricht im Weltverfolgungsindex 2026 von mehr als 388 Millionen Christen, die weltweit einem hohen Maß an Verfolgung oder Diskriminierung ausgesetzt sind, und erfasst 4.849 glaubensbezogene Todesfälle im Berichtszeitraum. Die Zahlen stammen aus einer kirchennahen Erhebung und dürfen weder mit amtlich verifizierten weltweiten Opferzahlen noch mit einer Zahl unmittelbar zur Tötung vorgesehener Menschen verwechselt werden (20). Unter den besonders gefährlichen Ländern sind islamisch geprägte Gesellschaften, aber auch Nordkorea. Ein seriöser Text über Christenverfolgung muss sich also gegen islamistischen Terror richten, nicht gegen jeden Muslim; gegen staatliches Versagen, nicht gegen Nachbarn, die selbst vor Extremisten Angst haben.
Die Assyrer, deren Schreiben diese Recherche ausgelöst hat, verlangen weder Sonderrechte noch eine neue Hierarchie der Opfer. Ihr Kernanliegen lautet Sicherheit, Religionsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz. Wer ihnen zuhört, muss keinen Glaubenskrieg ausrufen. Er muss vielmehr darauf bestehen, dass ein christliches Kind in Syrien dieselbe Aussicht auf ein unbedrohtes Leben hat wie ein muslimisches, drusisches oder alawitisches. Das wäre eine sehr viel kühnere außenpolitische Forderung als jede markige Rede über Werte.
Die Würde des Menschen gilt nicht nur beim Staatsempfang
Am Ende dieser Recherche bleibt kein sauber sortiertes Weltbild, in dem hier die Guten sitzen und dort die Bösen. Es bleiben neun Menschen, die in Jordanien zu einer Beerdigung kamen und nicht lebend nach Hause gingen. Es bleiben syrische Familien, die ihre Kirchen verlassen, pakistanische Minderheiten, die sich vor falschen Anschuldigungen fürchten, und nigerianische Dorfbewohner, deren Alltag von Gewalt bedroht wird. Es bleiben ebenso muslimische Opfer des Terrorismus und syrische Kinder, die bei Luftangriffen starben. Wer das eine Leid gegen das andere ausspielt, hat aus keinem von beiden etwas gelernt.
Ich erwarte von einem deutschen Bundespräsidenten keine Abschaffung diplomatischer Umgangsformen und von einem Bundeskanzler keine Außenpolitik, die nur mit sympathischen Regierungen spricht. Politik muss mit schwierigen Partnern verhandeln. Gerade deshalb muss sie unangenehme Fragen stellen, öffentlich, beharrlich und mit Konsequenzen. Ein Handschlag ist noch kein Verrat. Er wird zum moralischen Problem, wenn das Interesse am nächsten Geschäft, am nächsten Rückführungsabkommen oder am nächsten Gipfelfoto schwerer wiegt als die nachprüfbare Sicherheit jener Menschen, deren Rechte man so gern in Sonntagsreden beschwört.
Ich wünsche mir kein Deutschland, das seine Hilfe einstellt, sobald ein Land von Gewalt gezeichnet ist. Ich wünsche mir ein Deutschland, das den hungernden Menschen hilft und den Mächtigen zugleich unmissverständlich sagt, dass religiöse Freiheit keine dekorative Zugabe ist. Wer Kirchen schützt, muss auch Moscheen und Synagogen schützen. Wer Terroristen bekämpft, darf nicht selbst Unschuldige für entbehrlich erklären. Wer christliche Gemeinden verteidigt, sollte gerade dadurch zeigen, was gleiche Menschenwürde bedeutet. Die Opfer brauchen keinen schönen Satz über abendländische Werte. Sie brauchen Türen, die nachts geschlossen bleiben dürfen, ohne dass bewaffnete Männer sie eintreten. Und sie brauchen Regierungen, die sich dafür verantwortlich fühlen, bevor die nächste Trauerfeier zur Schlagzeile wird.
BLUTGELD – Die seelenlosen Profiteure des Todes

Diese Frage nach der Verantwortung der Mächtigen führt zu einem Thema, das mich als Autor seit Langem beschäftigt: Wer trägt die Kosten einer politischen Entscheidung, und wer schöpft aus der Not anderer seinen Vorteil? In meinem Buch „BLUTGELD – Die seelenlosen Profiteure des Todes“ richte ich den Blick auf die wirtschaftlichen und politischen Mechanismen, durch die menschliches Leid in Vermögen, Einfluss und Macht umgewandelt werden kann. Es geht um historische Verflechtungen von Banken, Unternehmen, Versicherungen und staatlichen Interessen, um die unbequeme Nähe zwischen Geschäft und Gewalt und um die Frage, wie rasch die Moral in den Hintergrund rückt, sobald Rechnungen geschrieben und Verträge geschlossen werden.
Der vorliegende Essay behauptet nicht, deutsche Hilfsgelder würden nachweislich christliche Verfolgung finanzieren. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Aber er erinnert daran, wie nötig es ist, Geldströme, politische Beziehungen und wirtschaftliche Interessen mit derselben Hartnäckigkeit zu untersuchen wie die sichtbaren Folgen von Konflikten. Wer „BLUTGELD“ liest, soll nicht fertige Feindbilder übernehmen, sondern genauer hinsehen, nach Verantwortung fragen und sich weigern, den Wert eines Menschenlebens nach seiner Nützlichkeit für Politik oder Geschäft zu bemessen. Vielleicht beginnt Gewissen genau dort: wo wir nicht länger zufrieden sind, nur die Gewinner zu kennen, sondern auch nach dem Preis fragen, den andere dafür entrichtet haben.
Bitte werden oder bleiben Sie gesund, denn das ist das höchste Gut, was wir haben.
Herzlichst
Ihr Alfred-Walter von Staufen
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Quellen:
Dieses Titelbild wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und redaktionell bearbeitet. Es dient der satirisch-symbolischen Illustration des Beitrags und stellt keine dokumentarische Aufnahme tatsächlicher Ereignisse dar.
(1) https://abcnews.com/International/death-toll-rises-9-after-gunmen-open-fire/story?id=137538843; https://www.channelnewsasia.com/world/jordan-arrests-three-suspects-deadly-church-attack-6492146
(2) https://www.reuters.com/world/middle-east/jordan-syria-form-security-committee-after-deadly-strikes-islamic-state-sites-2026-10-27/
(3) https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1216620
(4) https://www.hrw.org/world-report/2026/country-chapters/syria
(5) https://www.investing.com/news/world-news/death-toll-in-damascus-church-attack-rises-to-25-says-health-ministry-4105213
(6) https://acnuk.org/news/2026/10/08/bullet-narrowly-misses-priest-gunmen-open-fire-syrian-christian-village
(7) https://www.deutschlandfunk.de/antrittsbesuch-des-umstrittenen-syrischen-machthabers-al-scharaa-100.html; https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/kanzler-merz-al-scharaa-2417464
(8) https://www.uscirf.gov/news-room/releases-statements/religious-freedom-and-rule-law-syria
(9) https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1216620
(10) https://www.syriahr.com/en/363131/
(11) https://dip-aws.euaa.europa.eu/syria-security-situation/125-isil
(12) https://www.president.gov.pk/president-zardari-stresses-for-holistic-expansion-of-bilateral-cooperation-towards-robust-constructive-partnership-between-pakistan-and-germany-2
(13) https://www.opendoors.org/persecution/countries; https://www.uscirf.gov/countries/pakistan
(14) https://pid.gov.pk/site/press_detail/30900
(15) https://www.reuters.com/world/africa/nigeria-charges-nine-with-2025-massacre-that-killed-150-2026-02-02/
(16) https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1205736
(17) https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/nigeria-node/bilateral-205794
(18) https://nigeria.diplo.de/resource/blob/2689142/7ef7178efd36aa4e1e55477b119cec35/visit-president-frank-walter-steinmeier-data.pdf
(19) https://www.bmz.de/de/laender/syrien
(20) https://www.opendoors.org/persecution/countries
























