Wenn selbst Intimität ein Geschäftsmodell wird
Von Alfred-Walter von Staufen
Die Schamgrenze hat ein Preisschild bekommen
OnlyFans hat aus einer uralten menschlichen Schwäche ein erstaunlich modernes Geschäftsmodell gebaut: Man nehme Neugier, Begehren, Einsamkeit, Eitelkeit und den Wunsch, einem vermeintlich unerreichbaren Menschen ein paar digitale Zentimeter näherzukommen, setze davor eine Bezahlschranke und nenne das Ganze nicht Bordell, nicht Erotikhandel und schon gar nicht Laster, sondern „Creator Economy“. Das klingt gleich viel sauberer. Nach Start-up, Latte macchiato und Steuerberater. Und tatsächlich wäre es zu billig, OnlyFans einfach als Schmuddelecke des Internets abzutun, denn wirtschaftlich betrachtet ist die Plattform eher eine hochpolierte Registrierkasse mit Ringlicht: Nach den zuletzt veröffentlichten Konzernabschlüssen von Fenix International, der britischen Muttergesellschaft von OnlyFans, flossen im Geschäftsjahr bis zum 30. November 2024 rund 7,22 Milliarden US-Dollar an Zahlungen von Fans über die Plattform; der eigene Umsatz lag bei rund 1,41 Milliarden Dollar, der Vorsteuergewinn bei etwa 684 Millionen Dollar. Die Bilanz für 2024 wurde am 27. August 2025 beim britischen Companies House eingereicht und ist auch am 10. August 2026 noch der jüngste veröffentlichte Jahresabschluss; die Bilanz für 2025 ist erst bis zum 31. August 2026 fällig.[1]
Das eigentlich Geniale daran ist nicht die Nacktheit, sondern die Marge. OnlyFans muss keine Filmstudios bauen, keine Models unter Vertrag nehmen, keine Kulissen errichten und keine sündhaft teuren Hochglanzproduktionen finanzieren, denn das Material entsteht dort, wo früher das Privatleben wohnte: im Schlafzimmer, im Badezimmer, im Hotelzimmer, vor dem Spiegel, manchmal vermutlich zwischen Wäscheständer und Zimmerpflanze. Die Plattform stellt im Kern Technik, Zahlungsabwicklung, Reichweite und Regeln bereit und behält bei Transaktionen ihren Anteil; 2024 wurden rund 5,8 Milliarden Dollar an Creator ausgezahlt, während das Unternehmen aus dem Strom der Bezahlvorgänge seinen eigenen Milliardenumsatz zog.[2] Man könnte sagen: Andere Konzerne verkaufen Autos, Medikamente oder Suchmaschinen, OnlyFans verkauft die Tür. Was dahinter geschieht, liefern andere, und für jedes Öffnen klimpert die Kasse.
Dabei ist der Begriff „Fan“ fast schon die schönste semantische Erfindung des Geschäftsmodells, weil er Wärme verspricht, wo nüchtern betrachtet eine Kundenbeziehung stattfindet. Ein Fan jubelt normalerweise im Stadion, sammelt Schallplatten oder hängt sich ein Poster an die Wand; hier besitzt er eine Kreditkarte und erfährt, dass Nähe in Monatsraten erhältlich ist. Ende 2024 zählte OnlyFans nach den veröffentlichten Unternehmenszahlen rund 377,5 Millionen Fan-Konten und etwa 4,6 Millionen Creator-Konten, ein gewaltiger Marktplatz also, auf dem Aufmerksamkeit nicht länger nur in Likes gemessen wird, sondern unmittelbar in Geld.[3] Das ist der eigentliche Kulturbruch: Nicht Sexualität wurde erfunden, nicht Exhibitionismus, nicht Voyeurismus und auch nicht die Bereitschaft, für einen Blick hinter den Vorhang zu zahlen; neu ist vielmehr die industrielle Bequemlichkeit, mit der all das per Smartphone, Abo und automatischer Abbuchung in einen scheinbar ganz normalen digitalen Einkauf verwandelt wurde.
Und genau deshalb ist OnlyFans weniger ein Sündenpfuhl als ein Lehrbuch des Kapitalismus mit ausgezogenem Jackett. Angebot trifft Nachfrage, nur trägt das Angebot bisweilen weniger Stoff. Moralisch kann man darüber die Stirn runzeln, wirtschaftlich muss man anerkennen, dass hier ein beinahe perfekter Vermittlungsmarkt entstanden ist: Die Plattform produziert den begehrten Inhalt nicht selbst, trägt nicht das Gesicht vor der Kamera, muss nicht einmal so tun, als sei sie verliebt, und verdient trotzdem an jeder erfolgreich monetarisierten Form von Aufmerksamkeit. Selbst die große Frage nach Anstand wird dadurch zur Nebensache, denn der Algorithmus kennt keine Scham, die Kreditkarte keinen katholischen Beichtstuhl und die Quartalsrechnung keine roten Ohren. Wer also verstehen will, warum OnlyFans Milliarden bewegt, sollte nicht zuerst auf Haut schauen, sondern auf Psychologie: Der teuerste Rohstoff dieser Plattform ist nicht der Körper, sondern die Illusion, dass jemand hinter dem Bildschirm ausgerechnet auf mich gewartet hat.
Wenn „Hallo, Schatz“ aus der Nachtschicht kommt
Der wirklich kostbare Stoff auf OnlyFans ist nicht Nacktheit, denn davon besitzt das Internet seit Jahrzehnten mehr, als irgendein Mensch in einem vernünftigen Leben betrachten könnte; knapp wird etwas anderes, nämlich das Gefühl, nicht bloß Zuschauer, sondern gemeint zu sein, und genau an dieser Stelle wird aus Erotik ein Dienstleistungsgewerbe, das mitunter eine geradezu bürokratische Eleganz entwickelt. Reuters legte 2024 in einer umfangreichen Recherche offen, dass zahlreiche erfolgreiche Creator ihre privaten Nachrichten nicht vollständig selbst verfassen, sondern sogenannte „Chatters“ einsetzen, die im Namen der jeweiligen Person mit Abonnenten sprechen, flirten, Vertrauen aufbauen und zusätzliche Käufe anregen; beschäftigt werden diese Kräfte häufig über Management-Agenturen, während die Kunden vielfach davon ausgehen, tatsächlich mit der Person auf dem Profil zu schreiben.[4] Das muss man erst einmal sacken lassen: Der Herr am Küchentisch glaubt womöglich, sein digitales Gegenüber habe gerade zwischen zwei Fotos sehnsüchtig auf seine Nachricht gewartet, während am anderen Ende der Welt jemand mit Headset, Schichtplan und mehreren geöffneten Chatfenstern versucht, sich daran zu erinnern, welcher „Liebling“ einen Dackel besitzt und welcher Ärger mit seinem Chef hat. Romantik war früher kompliziert. Heute braucht sie offenbar ein Ticketsystem.
Dabei wäre es falsch, diese Praxis sämtlichen Creatorn zu unterstellen; Reuters beschrieb ausdrücklich ein System bei zahlreichen populären Accounts, nicht den Nachweis, dass jeder Anbieter so arbeitet. Gerade diese Einschränkung macht die Sache interessanter, weil sie den Unterschied zwischen erotischem Inhalt und verkaufter persönlicher Beziehung freilegt: Ein Foto kann industriell produziert sein und bleibt trotzdem dasselbe Foto, eine persönliche Nachricht hingegen verändert ihren Charakter vollständig, wenn der Empfänger für die vermeintliche Nähe zu einer bestimmten Person bezahlt und tatsächlich mit einem unbekannten Dritten kommuniziert. Reuters berichtete über Abonnenten, die erhebliche Summen ausgaben und später erklärten, sie hätten sich durch diese Inszenierung getäuscht gefühlt; die Recherche verweist außerdem auf rechtliche Auseinandersetzungen und auf Einschätzungen von Fachleuten, wonach solche Praktiken Fragen des Verbraucher- und Datenschutzrechts berühren können.[5] Hier wird das Geschäft plötzlich bemerkenswert bürgerlich: Wo eben noch Haut verkauft wurde, sitzen nun Juristen am Tisch und fragen, ob das versprochene „Du“ überhaupt geliefert worden ist.
Noch hübscher wird die Sache, sobald die menschliche Stellvertretung ihrerseits zu teuer oder zu langsam erscheint. Reuters berichtete ebenfalls 2024, dass einige Management-Agenturen Software mit künstlicher Intelligenz einsetzen, um Nachrichten für Creator zu formulieren oder Chats teilweise zu automatisieren; dabei verwies Reuters auch darauf, dass die OnlyFans-Nutzungsbedingungen den Einsatz von KI-Chatbots für Direktnachrichten ausdrücklich untersagen.[6] Nach Angaben der von Reuters befragten Anbieter können solche Systeme Gesprächsverläufe auswerten, persönliche Informationen aufgreifen und Antworten vorschlagen, damit der Austausch möglichst individuell wirkt. Das ist wirtschaftlich konsequent und kulturell herrlich absurd: Der Mensch zahlt für das Gefühl, einem Menschen nahezukommen, der möglicherweise einen Menschen bezahlt, damit dieser eine Maschine benutzt, die menschliche Nähe simuliert. Zwischen Begehren und Bankkonto stehen dann nicht mehr nur Bildschirm und Plattform, sondern Management, Schichtdienst und Software – eine kleine Lieferkette der Zärtlichkeit.
Damit erreicht die digitale Intimität einen Punkt, an dem sie fast schon wieder prüde wirkt, weil von der ursprünglichen Begegnung kaum etwas übrig bleibt außer Daten, Verkaufspsychologie und einer gut gepflegten Illusion. Die alte käufliche Liebe hatte wenigstens den Vorzug, dass beide Seiten wussten, wer gerade im Zimmer stand; das neue Modell kann den Kunden dagegen glauben lassen, Exklusivität zu erwerben, obwohl im Hintergrund Skalierung betrieben wird. Das ist kein Vorwurf gegen Menschen, die auf OnlyFans ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Arbeit tatsächlich selbst organisieren, sondern gegen eine Vermarktungslogik, in der persönliche Aufmerksamkeit umso wertvoller wird, je weniger persönlich sie sich noch herstellen lässt. Der Satz „Ich denke an dich“ bekommt damit eine völlig neue ökonomische Bedeutung: Er kann aufrichtig sein, er kann von einem Angestellten stammen, er kann softwaregestützt entstanden sein – nur die Abbuchung, auf die ist Verlass.
Wenn der Skandal plötzlich eine Marketingabteilung bekommt
Dass OnlyFans längst nicht mehr ausschließlich von Menschen bevölkert wird, deren Namen erst nach dem Öffnen der Schlafzimmertür bekannt werden, zeigt ziemlich zuverlässig, wie schnell sich gesellschaftliche Scham in ein Geschäftsmodell verwandeln kann, sobald genügend bekannte Gesichter daran verdienen. Als Schauspielerin Bella Thorne im August 2020 auf OnlyFans erschien, berichtete „Variety“, sie habe innerhalb der ersten 24 Stunden mehr als eine Million Dollar umgesetzt; damit war ausgerechnet ein ehemaliger Disney-Star eines der lautesten Signale dafür, dass diese Plattform nicht mehr nur irgendwo hinter den digitalen Gardinen existierte, sondern mitten in der Unterhaltungsindustrie angekommen war.[7] Kurz zuvor hatte auch Rapperin Cardi B einen Account eröffnet, ausdrücklich nicht als klassische Pornodarstellerin, sondern um ihren Fans gegen Bezahlung unter anderem Material hinter den Kulissen anzubieten; „Rolling Stone“ berichtete damals von einem Abonnementpreis von 4,99 Dollar.[8] Und damit bekam die Sache ihren eigentlichen gesellschaftlichen Ritterschlag: Man musste sich gar nicht mehr vollständig ausziehen, um bei OnlyFans geschäftlich interessant zu sein. Es genügte plötzlich, berühmt genug zu sein, damit Menschen für jene zehn Zentimeter hinter den Vorhang bezahlen, die Instagram ihnen kostenlos vorenthielt.
Das Prinzip ist dabei fast schon rührend altmodisch. Früher verkaufte ein Star die Autobiografie, gewährte der „Bunten“ einen Blick ins Wohnzimmer oder ließ sich für eine Homestory dabei fotografieren, wie er angeblich sonntags vollkommen ungezwungen Spaghetti kocht; heute besitzt derselbe Impuls einen Bezahlen-Knopf. Die Ware lautet Exklusivität. Nicht unbedingt Sex. Sängerin Lily Allen trieb diese Logik 2024 auf eine Pointe, die wahrscheinlich kein Satiriker besser hätte schreiben können: Sie eröffnete einen OnlyFans-Account für Bilder ihrer Füße und erklärte später öffentlich, damit monatlich mehr zu verdienen als mit ihren Spotify-Streams; „Billboard“ bezifferte die OnlyFans-Einnahmen damals auf ungefähr 10.000 Dollar im Monat.[9] Füße schlagen Musik. Jahrtausende europäischer Kulturgeschichte, Sinfonien, Opernhäuser, Plattenstudios und Streamingrevolution – und irgendwo sitzt ein Buchhalter, schaut auf zwei Tabellen und stellt fest: Der große Zeh hat diesmal gewonnen.
Wer nun glaubt, damit sei die Grenze des gesellschaftlich Normalen erreicht, sollte einen Blick auf das Jahr 2026 werfen. Die inzwischen 85-jährige Schauspielerin Donna Mills, bekannt aus der amerikanischen Fernsehserie „Knots Landing“, ist ebenfalls auf OnlyFans vertreten und erklärte gegenüber „Entertainment Weekly“, ihr Account solle vor allem persönliche Inhalte und unveröffentlichte Aufnahmen bieten, nicht etwa zwingend Nacktheit; nach ihren Angaben war sie sogar von OnlyFans selbst angesprochen worden.[10] Das ist ein bemerkenswertes Detail, weil es zeigt, wie weit der Markenname inzwischen von seinem früheren Schmuddelimage weggezogen werden soll: Wenn eine 85-jährige Fernsehveteranin neben Erinnerungen aus ihrer Karriere möglicherweise beim Traubenstampfen gefilmt wird, weil irgendein zahlender Bewunderer offenbar besondere Beziehungen zur menschlichen Fußsohle unterhält, dann haben wir es nicht mehr mit einer geheimen Parallelwelt zu tun. Dann haben wir Teleshopping mit speziellen Interessen.
Auch die Popkultur selbst behandelt das Phänomen inzwischen nicht mehr wie einen unbekannten Außenseiter. 2026 brachte Apple TV+ die Serienadaption „Margo’s Got Money Troubles“ heraus, deren Hauptfigur sich auf OnlyFans versucht; der „Guardian“ beschrieb die Serie ausdrücklich im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Normalisierung digitaler Sexarbeit und der Frage, wie schnell sich ökonomische Not, Selbstdarstellung und vermeintliche Selbstbestimmung miteinander vermischen.[11] Was gestern noch Gegenstand einer peinlichen Familienbesprechung gewesen wäre, besitzt heute also Drehbuchautoren, Streamingbudget und Michelle Pfeiffer. Der kulturelle Weg vom Rotlicht zur Fernbedienung war offenbar kürzer als erwartet.
Genau darin steckt die eigentliche Ironie von OnlyFans: Die Plattform hat das Laster nicht erfunden, sie hat ihm ein Benutzerkonto gegeben und anschließend zugesehen, wie die Gesellschaft den Rest erledigt. Was hinreichend häufig vorkommt, verliert seinen Skandal; was prominente Namen anzieht, verliert zusätzlich seinen Geruch nach Hinterzimmer, und was schließlich erfolgreich genug monetarisiert werden kann, bekommt irgendwann ohnehin die sprachliche Generalwäsche verpasst. Dann heißt Exhibitionismus nicht mehr Exhibitionismus, sondern Content, der Kunde wird zum Fan, erotische Vermarktung zur Selbstbestimmung und das Preisschild zur Community. Man muss das weder verbieten noch verteufeln, um den bemerkenswerten sprachlichen Taschenspielertrick zu erkennen. Vielleicht ist OnlyFans deshalb weniger ein Spiegel unserer sexuellen Moral als ein Spiegel unserer ökonomischen: Wir sind erstaunlich tolerant geworden, sobald etwas eine Rechnung schreiben kann.
Und möglicherweise liegt genau dort die raffinierteste Pointe dieses ganzen Milliardengeschäfts. Wir haben nicht aufgehört, uns für das Laster zu interessieren. Wir haben lediglich aufgehört, es Laster zu nennen.
Wenn der Markt alles darf, muss der Mensch noch lange nicht alles wollen
Die moralische Frage beginnt dort, wo das schnelle Urteil aufhört. OnlyFans ist weder der Untergang des Abendlandes noch ein feministisches Befreiungsprogramm mit monatlicher Kündigungsfrist, sondern zunächst ein Markt, und Märkte haben die unsympathische Eigenschaft, sehr zuverlässig sichtbar zu machen, wofür Menschen tatsächlich Geld ausgeben. Man kann sich darüber empören, dass Körper, Nähe und private Aufmerksamkeit zu Produkten werden, aber man sollte sich davor hüten, so zu tun, als käme diese Entwicklung aus dem Nichts. Wir leben längst in einer Kultur, in der nahezu alles vermessen, bewertet, vermarktet und öffentlich ausgestellt wird: Wohnungen, Urlaube, Beziehungen, Kinder, politische Haltung, Ernährung, Trauer und selbst die eigene Verletzlichkeit. OnlyFans setzt diesem Prinzip lediglich eine besonders dünne Bluse an.
Problematisch wird es deshalb weniger dort, wo zwei Erwachsene bewusst einen Preis vereinbaren, sondern dort, wo Selbstwert und Marktwert verwechselt werden, wo der Blick anderer zur Währung des eigenen Lebens wird und wo die vermeintliche Freiheit nur noch daran gemessen wird, wie gut sie sich monetarisieren lässt. Wer sich selbst verkaufen kann, ist noch lange nicht frei; manchmal hat er nur einen besseren Zahlungsanbieter gefunden. Umgekehrt wäre es ebenso billig, jeden Menschen auf einer solchen Plattform moralisch abzuwerten, denn auch das ist Hochmut: die bequeme Gewissheit, über den Charakter eines Fremden urteilen zu können, weil man dessen Geschäftsmodell kennt.
Vielleicht liegt die vernünftigste Haltung deshalb zwischen Prüderie und Jubelpose. Erwachsene dürfen schlechte Entscheidungen treffen, gute Geschäfte machen, Grenzen verschieben und ihre Meinung später ändern. Eine freie Gesellschaft hält das aus. Sie sollte nur nicht vergessen, dass nicht alles, was legal, lukrativ und technisch möglich ist, deshalb automatisch klug, würdevoll oder folgenlos sein muss.
Wenn aus Moral Gewissheit und aus Gewissheit Hochmut wird

Genau an diesem Punkt beginnt mein Buch „Der Stern und das Ego“. Es geht dort nicht um OnlyFans, sondern um einen Mechanismus, der weit darüber hinausreicht: die erstaunliche Geschwindigkeit, mit der moralische Gewissheit heute entsteht, sich öffentlich auflädt und schließlich jeden Zweifel als Charakterfehler behandelt. Wer laut genug empört ist, gilt schnell als der bessere Mensch; wer nachfragt, stört. Wer ein Symbol trägt, steht scheinbar auf der richtigen Seite, und wer es nicht trägt, darf sich erklären.
„Der Stern und das Ego“ untersucht moralische Empörung, mediale Dynamiken und jene alte Todsünde, die erstaunlich modern geworden ist: den Hochmut. Nicht den altmodischen Hochmut des Grafen mit Monokel, sondern die zeitgemäße Variante, die sich ihrer eigenen Überlegenheit so sicher ist, dass sie keine Gegenfrage mehr benötigt. Was geschieht, wenn Moral schneller urteilt als Fakten geprüft werden? Was passiert, wenn Symbole Diskussionen beenden, bevor sie überhaupt begonnen haben? Und warum wird öffentliche Gewissheit inzwischen so gern mit persönlicher Lautstärke verwechselt?
Das Buch ist bewusst provokant, aber 100% rechtssicher angelegt. Es will niemanden bekehren und auch keine neue moralische Gebrauchsanweisung verteilen. Es fragt vielmehr, warum eine Gesellschaft, die ständig von Vielfalt spricht, ausgerechnet beim Denken immer weniger Abweichung erträgt. Wer nach diesem Essay über OnlyFans nicht nur über Lust, Geld und Selbstvermarktung nachdenken möchte, sondern über die größere Bühne dahinter – über Eitelkeit, Urteil, Anklage und die Lust, sich selbst auf der richtigen Seite zu sehen –, findet in „Der Stern und das Ego“ die Fortsetzung dieses Gedankens. Gerade deshalb versteht es sich weniger als Urteil denn als Einladung zum unbequemen Weiterdenken.
Bitte werden oder bleiben Sie gesund, denn das ist das höchste Gut, das wir haben.
Herzlichst
Ihr Alfred-Walter von Staufen
- Alfred-Walter von Staufen (KI generiert)
Quellen:
[1] https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/10354575/filing-history; https://www.ft.com/content/7d936956-f1b9-4fe4-b3de-feaddac79953
[2] https://www.ft.com/content/7d936956-f1b9-4fe4-b3de-feaddac79953
[3] https://www.ft.com/content/7d936956-f1b9-4fe4-b3de-feaddac79953
[4] https://www.reuters.com/investigates/special-report/onlyfans-sex-chatters/
[5] https://www.reuters.com/investigates/special-report/onlyfans-sex-chatters/
[6] https://www.reuters.com/technology/artificial-intelligence/ai-bots-talk-dirty-so-onlyfans-stars-dont-have-2024-07-30/
[7] https://variety.com/2020/digital/news/bella-thorne-breaks-onlyfans-record-1-million-24-hours-1234749127
[8] https://www.rollingstone.com/music/music-news/cardi-b-onlyfans-1043254
[9] https://www.billboard.com/music/music-news/lily-allen-feet-pictures-make-more-money-spotify-streams-1235811354
[10] https://ew.com/knots-landing-donna-mills-craziest-onlyfans-request-12033407
[11] https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2026/apr/11/margos-got-money-troubles-elle-fanning-michelle-pfeiffer-onlyfans-apple-tv
















