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Die zehn Gebote der Kriegspropaganda: Wie Regierende den Frieden beerdigen und uns die Katastrophe als Moral verkaufen

Ein Manifest für den Frieden, von dem Autorenkollektiv Mara Köstlin, Robert R. Manor, Alfred-Walter von Staufen und Sören Fahr

Alfred-Walter von Staufen: Man muss nur genau hinhören. Früher hieß es Frieden und heute heißt es Wehrhaftigkeit. Früher hieß es Diplomatie und heute nennt man es Abschreckung. Früher hieß es: Nie wieder Krieg und heute sagt man: Wir müssen kriegstüchtig werden. Das ist kein sprachlicher Betriebsunfall. Nein, das ist ein politischer Wetterwechsel. Und wer noch Ohren hat, hört bereits das Rollen der Trommeln unter dem Teppich der Talkshows.

Mara Köstlin: Das Erschreckende ist nicht nur der Ton. Das wirklich Erschreckende daran ist die Selbstverständlichkeit, mit der er angenommen wird. Worte werden umgestellt wie Möbel in einem Raum, bis niemand mehr merkt, dass aus dem Wohnzimmer ein Bunker geworden ist. Man spricht nicht mehr von Angst, sondern von Verantwortung, nicht mehr von Eskalation, sondern von Handlungsfähigkeit und auch nicht mehr von Kriegsvorbereitung, sondern von Sicherheit. Und plötzlich sitzt der Bürger am Frühstückstisch, liest die Schlagzeilen und soll glauben, der Frieden sei eine naive Störung im großen strategischen Erwachsenenraum.

Robert R. Manor: Ja, und wenn einer dann sagt: Moment mal, ich hätte gern noch einen Kaffee, bevor ihr mir den Stahlhelm auf den Kopf schraubt, dann gucken sie ihn an wie einen Mann, der beim Feueralarm nach der Speisekarte fragt. Dabei ist genau das Bürgerpflicht: nicht mitlaufen, nur weil oben einer „Zeitenwende“ ruft und unten alle anfangen, ihre Kinder geistig schon mal in Tarnfarbe zu denken.

Sören Fahr: Als Verleger interessiert mich dabei auch die Sprache, denn jede Katastrophe braucht vorher ein Wörterbuch. Kein Krieg beginnt nur mit Panzern. Er beginnt mit Begriffen. Mit moralisch polierten Begriffen. Mit Begriffen, die klingen wie Schutz, aber nach Marschordnung riechen. Ponsonby hat das 1928 beschrieben, Morelli hat es später systematisiert. Es sind keine musealen Merksätze. Es ist eine Gebrauchsanweisung der Macht.

Alfred-Walter von Staufen: Beginnen wir also mit der ersten Regel: Wir wollen den Krieg nicht. Das ist der schönste Satz aller Kriegsvorbereiter. Er kommt immer im weißen Hemd, mit betroffener Stirnfalte und staatsmännischem Tremolo. Niemand will den Krieg. Niemals. Der Krieg ist stets bedauerlich. Leider unvermeidbar. Leider alternativlos. Leider historisch notwendig. Das Wort „leider“ ist die Gardine vor dem Kanonenfenster.

Mara Köstlin: Diese Regel funktioniert, weil sie das Gewissen beruhigt. Wer sagt, er wolle den Krieg nicht, darf danach fast alles tun, was den Krieg wahrscheinlicher macht. Man kann Milliarden verschieben, Feindbilder verhärten, Friedensinitiativen verspotten, diplomatische Kanäle verengen, die Bevölkerung mental vorbereiten und trotzdem mit gesenkter Stimme sagen: Wir wollten das alles nicht. Es ist wie jemand, der Benzin im Haus verteilt und anschließend beteuert, er sei ein großer Freund des Brandschutzes.

Robert R. Manor: Großartig. Der politische Feuerlöscher von heute ist offenbar ein Kanister Super Plus. Und die Moderation im Fernsehen sagt dazu: „Ein schwieriger, aber notwendiger Schritt.“ Ich warte nur noch auf die Kochsendung: „Heute bereiten wir einen europäischen Flächenbrand zu, mit einer feinen Reduktion aus Moral, Angst und Sondervermögen.“

Sören Fahr: Die zweite Regel lautet: Das gegnerische Lager trägt die alleinige Verantwortung. Auch das ist ein sehr praktischer Satz. Er entlastet von Geschichte, von Interessen, von Vorgeschichten, von Fehlern, von Provokationen, von verpassten Verhandlungen. Er reduziert die Welt auf eine Kinderzeichnung: hier die Guten, dort die Bösen. Dazwischen kein Raum für Analyse. Nur noch Gesinnungskontrolle.

Alfred-Walter von Staufen: Und wer nach Ursachen fragt, steht sofort unter Verdacht. Ursachenforschung wird zur Kollaboration erklärt. Differenzierung gilt als Schwäche. Geschichte beginnt immer genau an dem Tag, an dem die eigene Seite sie braucht. Alles davor verschwindet im Nebel. Das ist politisch bequem und intellektuell verwahrlost. Aber es verkauft sich gut. Denn komplexe Wirklichkeit stört die Mobilmachung.

Mara Köstlin: Es entsteht ein geistiges Klima, in dem Mitgefühl selektiv wird. Das Leid der einen wird ausgeleuchtet, das Leid der anderen verschattet. Die Toten der eigenen Erzählung bekommen Gesichter, Namen, Kerzen, Schweigeminuten. Die Toten der falschen Seite werden Statistik, Kollateralschaden, schwierige Lage. Die Propaganda beginnt dort, wo der Mensch nur noch dann Mensch ist, wenn er ins eigene Narrativ passt.

Robert R. Manor: Genau. Und der Bürger soll dabei bitte nicht stören. Er soll nicken, teilen, spenden, frieren, zahlen und moralisch strammstehen. Wenn er fragt: „Moment, wer verdient eigentlich daran?“, wird es plötzlich ganz still im Studio. Dann kommt meistens ein Experte mit Randlosbrille und erklärt, dass solche Fragen „Narrative bedienen“. Ich bediene morgens meinen Kaffeeautomaten. Narrative bedienen offenbar nur Leute, die noch nicht komplett betreut denken.

Sören Fahr: Die dritte Regel ist die Personalisierung des Bösen: Der Führer des Gegners ist ein Teufel. Auch das ist nicht neu. Man muss eine ganze Gesellschaft, ein ganzes Land, eine ganze historische Lage nicht mehr verstehen, wenn man alles in eine einzige dämonische Figur hineinpresst. Der Gegner wird nicht beschrieben, er wird exorziert.

Alfred-Walter von Staufen: Das ist die alte Methode der politischen Vereinfachung. Ein Gesicht ersetzt die Analyse. Ein Name ersetzt die Geschichte. Ein Dämon ersetzt die Diplomatie. Natürlich gibt es gefährliche Machthaber. Natürlich gibt es Schuld, Gewalt, Verbrechen. Aber Propaganda interessiert sich nicht für Wahrheit in ihrer ganzen Härte. Sie interessiert sich für Verwendbarkeit. Der Gegner muss so erscheinen, dass jedes Gespräch mit ihm schon wie Verrat wirkt.

Mara Köstlin: Dann wird Sprache religiös aufgeladen. Man spricht nicht mehr über Interessen, sondern über das Böse. Nicht mehr über Kompromisse, sondern über Reinheit. Nicht mehr über Auswege, sondern über Prüfungen. Die Politik wird zur Kanzel, der Nachrichtensprecher zum Ministranten, der Leitartikel zum Bußgebet. Und wer Frieden fordert, wirkt plötzlich wie jemand, der dem Teufel eine Tasse Tee anbieten möchte.

Robert R. Manor: Wobei eine Tasse Tee manchmal mehr Menschenleben retten könnte als fünfzig Pressekonferenzen mit ernsten Gesichtern. Aber Tee ist natürlich nicht wehrfähig. Tee hat keine Beschaffungsprobleme, keine Lobby und keinen Haushaltsausschuss. Tee ist im geopolitischen Betrieb leider unterrepräsentiert.

Sören Fahr: Die vierte Regel lautet: Wir kämpfen für eine gute Sache. Das ist vielleicht die gefährlichste, weil sie sich so edel anfühlt. Kaum etwas macht Menschen härter als die Überzeugung, im Namen des Guten zu handeln. Wer sich selbst für moralisch unangreifbar hält, kann sehr schnell sehr viel Unheil anrichten.

Alfred-Walter von Staufen: Genau hier beginnt die eigentliche Katastrophe. Denn die gute Sache wird zur Blankovollmacht. Sie erlaubt Opfer, die andere bringen müssen. Sie erlaubt Zumutungen, die nie die Entscheider zuerst treffen. Sie erlaubt Verengung des Denkens. Sie erlaubt die Verachtung des Zweifels. Und irgendwann steht der Bürger da und merkt: Die gute Sache hat seine Freiheit, sein Geld, seine Kinder und seine Zukunft längst in Beschlag genommen.

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Mara Köstlin: Vielleicht ist der wahre Pazifismus heute nicht das naive Träumen von einer heilen Welt. Vielleicht ist er das nüchterne Beharren darauf, dass kein Staat, keine Regierung, kein Bündnis und keine moralische Großformel das Recht hat, Menschen wie Brennmaterial in historische Maschinen zu werfen. Frieden ist nicht Feigheit. Frieden ist die letzte Form der Vernunft, bevor die Sprache selbst in Schutt fällt.

Robert R. Manor: Und wer das für pathetisch hält, darf gern einmal einem Vater erklären, warum sein Sohn für eine Formulierung sterben soll, die gestern noch niemand kannte und morgen schon wieder strategisch angepasst wird.

Sören Fahr: Damit sind die ersten vier Regeln benannt. Sie wirken nicht, weil sie plump wären. Sie wirken, weil sie sich tarnen. Als Verantwortung. Als Moral. Als Schutz. Als Haltung. Doch unter der Tarnung liegt das alte Muster: Der Bürger soll nicht denken, er soll folgen. Und genau deshalb müssen wir widersprechen.

Die fünfte Regel lautet: Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen. Dieser Satz ist ein Meisterstück der propagandistischen Empörungskunst. Er sagt nicht nur: Der andere ist gefährlich. Er sagt: Der andere ist außerhalb jeder Ordnung. Er hält sich nicht an Regeln, nicht an Moral, nicht an Grenzen. Damit wird aus einem politischen oder militärischen Gegner ein Wesen, mit dem man nicht mehr verhandeln kann. Denn wer unerlaubt kämpft, ist nicht mehr Gesprächspartner, sondern Seuche.

Alfred-Walter von Staufen: Und genau dadurch entsteht die psychologische Freigabe. Man muss dem Bürger nur lange genug erklären, dass die andere Seite grundsätzlich jedes Maß verloren habe. Dann wirkt das eigene Maß plötzlich automatisch zivilisiert, selbst wenn es immer weiter verrutscht. Die eigene Aufrüstung gilt als Vorsorge, die gegnerische als Bedrohung. Die eigene Lieferung gilt als Hilfe, die gegnerische als Eskalation. Die eigene Propaganda heißt Kommunikation, die gegnerische Desinformation. Die eigene Zensur nennt man Schutz vor Manipulation, die fremde Zensur nennt man Diktatur.

Mara Köstlin: Es ist diese doppelte Sprache, die so gefährlich ist. Sie bringt die Menschen dazu, nicht mehr auf Handlungen zu schauen, sondern auf Etiketten. Dasselbe Geschehen wird je nach Urheber moralisch neu lackiert. Was bei uns strategische Notwendigkeit ist, ist beim Gegner blanker Wahnsinn. Was bei uns Verteidigung heißt, heißt dort Aggression. Was bei uns leider nötig ist, ist dort absichtliche Barbarei. Der Mensch verliert dabei die Fähigkeit, symmetrisch zu denken.

Robert R. Manor: Symmetrisch denken? Das ist im heutigen Medienbetrieb ungefähr so beliebt wie ein Vegetarier am Grillstand der Rüstungsmesse. Da soll niemand symmetrisch denken. Da soll man emotional synchronisiert werden. Morgens Empörung, mittags Solidarität, abends Expertenrunde mit ernster Musik im Hintergrund. Fehlt nur noch der Wetterbericht: „Morgen zieht ein Tief aus moralischer Überlegenheit über Deutschland, örtlich schwere Haltungsgewitter, im Osten vereinzelt Zweifel, bitte meiden.“

Sören Fahr: Die sechste Regel: Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich. Hier wird es besonders düster. Denn diese Regel entscheidet darüber, welches Leid als Beweis gilt und welches Leid entschuldigt wird. Der Gegner mordet, wir irren. Der Gegner zerstört, wir treffen bedauerlicherweise. Der Gegner hasst, wir verteidigen. Der Gegner plant das Böse, wir geraten höchstens in tragische Umstände.

Alfred-Walter von Staufen: Das ist die moralische Buchhaltung des Krieges. Ein Toter ist nicht gleich ein Toter. Ein zerstörtes Haus ist nicht gleich ein zerstörtes Haus. Ein weinendes Kind ist nicht gleich ein weinendes Kind. Die Propaganda sortiert die Tränen nach politischer Verwendbarkeit. Und wer diese Sortierung kritisiert, gilt sofort als herzlos gegenüber den richtigen Opfern. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wer alle Opfer sieht, ist nicht herzlos. Herzlos ist, wer den Schmerz erst durch die Zollkontrolle der eigenen Ideologie lässt.

Mara Köstlin: In jeder Kriegszeit wird das Mitgefühl verwaltet. Es wird verteilt wie Lebensmittelmarken. Manche bekommen ganze Sondersendungen, andere nur eine Randnotiz. Manche Trauer wird zur nationalen Verpflichtung, andere zur statistischen Unannehmlichkeit. Das hat etwas Unmenschliches. Nicht, weil die hervorgehobenen Opfer kein Mitgefühl verdienen. Natürlich verdienen sie es. Sondern weil die verschwiegenen Opfer dadurch ein zweites Mal verschwinden.

Robert R. Manor: Ja, und wehe, man sagt das laut. Dann kommt sofort einer mit hochrotem Diskursgesicht und ruft: „Relativierung!“ Dieses Wort ist inzwischen der Feuerlöscher für jedes unbequeme Denken. Man fragt: „Warum sprechen wir über diese Toten anders als über jene?“ Antwort: „Relativierung!“ Man fragt: „Warum wird hier gezählt und dort geschätzt?“ Antwort: „Relativierung!“ Man fragt: „Darf ein Mensch bitte noch Mensch sein, auch wenn er nicht ins geopolitische Bühnenbild passt?“ Antwort: „Sie bedienen Narrative!“

Sören Fahr: Genau deshalb braucht eine freie Öffentlichkeit Verlage, Autoren, Leser und Bürger, die sich nicht einschüchtern lassen. Literatur, Essayistik und Satire dürfen nicht zu Dienstboten der aktuellen Regierungsstimmung werden. Wenn Sprache nur noch den herrschenden Erregungsplan bebildert, ist sie keine Sprache mehr, sondern Plakatkleister.

Alfred-Walter von Staufen: Die siebte Regel lautet: Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm. Auch hier geht es nicht allein um Zahlen. Es geht um Stimmung. Die eigene Seite muss belastbar erscheinen, überlegen, aufrecht, kontrolliert. Die gegnerische Seite dagegen soll erschöpft wirken, schwach, zerfallend, kurz vor dem Zusammenbruch. Und das Erstaunliche ist: Dieser Zusammenbruch steht oft jahrelang unmittelbar bevor. Er ist wie der Paketbote der geopolitischen Hoffnung: angeblich schon unterwegs, aber nie da.

Mara Köstlin: Diese Erzählung hält Gesellschaften in einem Zustand künstlicher Erwartung. Nur noch ein bisschen durchhalten. Nur noch ein paar Milliarden. Nur noch ein weiteres Paket. Nur noch diese Entscheidung. Nur noch diese Verschärfung. Nur noch diese moralische Anstrengung. Und während die Menschen zu Hause Rechnungen sortieren, Heizkosten vergleichen und ihre Zukunft kleiner planen, erklärt man ihnen, die große Lage entwickle sich eigentlich hervorragend.

Robert R. Manor: Das ist wie bei einem schlechten Handwerker: „Noch zwei Wochen, dann ist alles fertig.“ Nach drei Jahren steht immer noch ein Loch in der Wand, aber die Rechnung ist schon so dick, dass sie ein eigenes Postleitzahlengebiet beantragen könnte. Und wenn der Kunde fragt, ob das normal sei, bekommt er zu hören: „Sie müssen das größere Bild sehen.“ Das größere Bild ist meistens: Der Kunde zahlt, der Handwerker fährt neues Auto.

Sören Fahr: Propaganda braucht diese optimistische Verzerrung. Sie muss den Bürger in der Spur halten. Zu viel Wahrheit würde die Zustimmung gefährden. Zu viel Ehrlichkeit würde Fragen auslösen. Wie hoch ist der Preis? Wer trägt ihn? Wer profitiert? Wann endet das? Was ist das Ziel? Gibt es überhaupt noch ein politisches Ziel, oder nur noch eine immer neue Begründung für die Fortsetzung?

Alfred-Walter von Staufen: Genau diese Fragen dürfen nicht verschwinden. Denn eine Demokratie, die keine nüchterne Kriegsdebatte mehr führen kann, sondern nur noch moralische Bewährungsrituale veranstaltet, ist bereits beschädigt. Der Bürger wird dann nicht informiert, sondern eingestimmt. Er soll nicht urteilen, sondern bekennen. Er soll nicht prüfen, sondern glauben. Er soll nicht fragen, was Frieden kosten würde, sondern schweigend akzeptieren, was Eskalation kostet.

Mara Köstlin: Und vielleicht liegt darin der eigentliche Verrat an der Zukunft. Nicht darin, dass Menschen Frieden fordern. Sondern darin, dass Regierende, Medien und Meinungseliten eine ganze Gesellschaft daran gewöhnen, den Frieden nur noch als Schwäche zu betrachten. Als sentimentale Erinnerung. Als Lied aus einer alten Zeit. Dabei ist Frieden kein Kitsch. Frieden ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder überhaupt noch eine Zukunft haben, die nicht von den Albträumen der Erwachsenen verwaltet wird.

Robert R. Manor: Wenn ich den Satz höre, man müsse den Menschen jetzt mehr Kriegstüchtigkeit zumuten, denke ich: Vielleicht sollten wir den Regierenden erst einmal mehr Friedenstüchtigkeit zumuten. Das wäre doch mal ein Reformprojekt. Pflichtseminar für alle, die öffentlich mit dem Wort Krieg herumwerfen: eine Woche Krankenhaus, eine Woche Soldatenfriedhof, eine Woche Gespräch mit Müttern, die ihre Kinder nicht für geopolitische PowerPoint-Folien geboren haben.

Sören Fahr: Und danach vielleicht eine einfache Prüfung: Wer Frieden für naiv hält, muss erklären, warum die Katastrophe realistischer sein soll.

Alfred-Walter von Staufen: Die achte Regel lautet: Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache. Das klingt zunächst harmlos. Ja schon fast edel, als käme nun das große Gewissen der Kultur hinzu, um der Politik Tiefe zu verleihen. In Wahrheit beginnt hier oft die feierliche Selbstentmündigung jener, die eigentlich stören müssten. Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler, Schauspieler, Professoren, Feuilletonisten – sie alle wären in einer gesunden Republik nicht der Chor der Macht, sondern deren Prüfstein. Doch sobald der Krieg moralisch lackiert wird, verwandelt sich ein Teil des Kulturbetriebs in eine Abteilung für seelische Mobilmachung.

Mara Köstlin: Das Tragische daran ist, dass viele es vermutlich ehrlich meinen. Sie glauben, für das Gute zu sprechen. Sie glauben, der Humanität zu dienen. Sie glauben, Haltung zu zeigen. Aber Haltung ist nicht schon deshalb wahr, weil sie sich mutig anfühlt. Man kann auch im Gleichschritt Haltung zeigen, wenn nur genügend Kameras darauf gerichtet sind. Die Frage ist nicht, ob jemand laut gegen das Böse spricht. Die Frage ist, ob er auch dann noch denkt, wenn alle erwarten, dass er nur noch bekennt.

Robert R. Manor: Genau. Früher stellte man sich einen Intellektuellen als jemanden vor, der dem König sagt, dass er nackt ist. Heute sagt mancher Intellektuelle dem König, sein nackter Zustand sei ein notwendiges Signal der Wertegemeinschaft. Und dann schreibt er noch einen Essay darüber, warum Unterhosen Putin nutzen würden, oder wem auch immer gerade die Unterhosen zugerechnet werden.

Sören Fahr: Für einen Verlag ist das eine entscheidende Frage. Literatur darf niemals nur Begleitmusik der herrschenden Erzählung sein. Ein Verlag, der sich selbst ernst nimmt, muss Raum für Widerspruch schaffen. Nicht für Hetze, nicht für billige Parolen, nicht für dumpfe Vereinfachung. Aber für Widerspruch. Für Prüfung. Für Zweifel. Für Sätze, die nicht vorher in den Presseabteilungen der Macht desinfiziert wurden.

Alfred-Walter von Staufen: Die neunte Regel lautet: Unsere Mission ist heilig. Hier verlässt die Politik endgültig den Boden des Nüchternen und betritt den Altarraum der Selbstverklärung. Sobald politische Ziele als heilige Mission erscheinen, wird Kritik zum Sakrileg. Dann geht es nicht mehr um Interessen, Verträge, Sicherheitsarchitektur, wirtschaftliche Motive oder diplomatische Fehler. Dann geht es um Erlösung. Und Erlösung hat bekanntlich die unangenehme Neigung, über Leichen zu steigen, ohne die Schuhe schmutzig zu finden.

Mara Köstlin: Das Heilige ist in der Politik immer gefährlich, weil es die menschliche Grenze verwischt. Wer sich auf eine heilige Mission beruft, sieht sich nicht mehr als fehlbarer Mensch unter anderen Menschen. Er sieht sich als Werkzeug einer höheren Notwendigkeit. Dann werden Zweifel als Schwäche empfunden, Vorsicht als Verrat, Mitleid als Naivität. Der Frieden verliert seine Sprache, weil die Mission nur noch Opfer kennt – und zwar meist Opfer, die andere bringen sollen.

Robert R. Manor: Ja, das ist überhaupt die schönste Form politischer Opferbereitschaft: Man ist bereit, alles zu geben, was anderen gehört. Das Geld der Bürger. Die Zukunft der Kinder. Die Ruhe der Alten. Die Heizkosten der Familien. Die Nerven der kleinen Betriebe. Und wenn es ganz feierlich wird, auch das Leben junger Menschen, die von jenen, die am lautesten tönen, meistens nicht einmal persönlich gekannt werden.

Sören Fahr: Deshalb muss man diese sakrale Sprache entzaubern. Eine Republik braucht keine politischen Priester, die Kriegsvorbereitung mit Weihrauch versehen. Sie braucht Bürger, die wissen wollen, was geschieht. Wer entscheidet? Auf welcher Grundlage? Mit welchem Ziel? Mit welchem Risiko? Mit welchem Mandat? Und vor allem: Mit welchem Ausweg? Denn eine Politik, die keinen Ausweg mehr beschreibt, sondern nur noch Durchhalteparolen liefert, hat bereits aufgehört, politisch zu denken.

Alfred-Walter von Staufen: Die zehnte Regel ist die brutalste, weil sie nach innen wirkt: Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter. Hier wird die Propaganda zur Disziplinierungsmaschine. Nicht mehr der Krieg steht zur Debatte, sondern der Charakter des Fragenden. Wer zweifelt, gilt als unsolidarisch. Wer nachfragt, als gefährlich. Wer differenziert, als verdächtig. Wer Frieden fordert, als heimlicher Helfer des Gegners. So wird aus öffentlicher Debatte ein moralischer Checkpoint.

Mara Köstlin: Das zerstört die innere Freiheit einer Gesellschaft. Menschen beginnen, sich selbst zu überwachen. Sie wägen nicht mehr nur Argumente ab, sondern auch soziale Risiken. Darf ich das sagen? Darf ich fragen? Wird man mich missverstehen? Werde ich einsortiert? Diese Angst ist kein Nebeneffekt. Sie ist Teil der Wirkung. Eine Gesellschaft, die Angst vor dem eigenen Denken bekommt, lässt sich leichter führen.

Robert R. Manor: Dann sitzt der Bürger abends auf dem Sofa, sieht die Nachrichten und denkt bei jeder zweiten Meldung: Das klingt aber merkwürdig. Und direkt danach denkt er: Besser nicht laut sagen, sonst steht morgen einer vor der Tür und klebt mir ein Etikett auf die Stirn. Früher hieß es: Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen. Heute heißt es offenbar: Habe Mut, die freigegebene Meinung rechtzeitig zu übernehmen.

Sören Fahr: Genau deshalb ist dieser Dialog notwendig. Nicht, weil wir behaupten, auf alles eine einfache Antwort zu haben. Sondern weil wir darauf bestehen, dass Fragen erlaubt bleiben. Frieden ist kein Extremismus. Diplomatie ist keine Schwäche. Zweifel ist kein Verrat. Und eine Regierung, die Bürger nur noch dann respektiert, wenn sie den offiziellen Ernst der Lage nachbeten, hat ein Problem mit Demokratie, nicht mit Desinformation.

Alfred-Walter von Staufen: Wir stellen uns gegen diese Kriegsgeilheit der Regierenden, weil sie unser Land geistig verwahrlosen lässt, bevor sie es politisch gefährdet. Sie verroht die Sprache, verkürzt das Denken, verhärtet die Herzen und macht aus dem Bürger einen Zuschauer seiner eigenen Entmündigung. Man verkauft ihm Katastrophenvorsorge als Staatskunst und Eskalation als Verantwortungsbewusstsein. Doch Verantwortung beginnt nicht dort, wo man das nächste Milliardenpaket schnürt. Verantwortung beginnt dort, wo man verhindert, dass aus politischen Fehlern historische Trümmer werden.

Mara Köstlin: Vielleicht ist das der Satz, den man in dieser Zeit immer wieder sagen muss: Frieden ist nicht die Romantik der Schwachen, sondern die Vernunft derer, die wissen, was Krieg bedeutet. Krieg ist nicht nur Front. Krieg ist Vaterlosigkeit, Verstümmelung, Schuld, Kälte, Hunger, zerbrochene Städte, verstummte Kinderzimmer, alte Frauen vor Trümmern und Männer, die nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Dinge gesehen haben, die kein Mensch sehen sollte.

Robert R. Manor: Und wenn irgendein politischer Lautsprecher das nächste Mal erklärt, man müsse endlich kriegstüchtig werden, dann sollte jemand freundlich fragen: Sind Sie eigentlich auch friedenstüchtig? Können Sie verhandeln? Können Sie zuhören? Können Sie Zweifel ertragen? Können Sie Fehler eingestehen? Können Sie Menschenleben höher bewerten als Ihre nächste Pressekonferenz?

Sören Fahr: Genau dafür schreiben wir. Nicht für Beifall aus den richtigen Ecken. Nicht für bequeme Zustimmung. Sondern gegen die Verengung. Gegen die geistige Uniformierung. Gegen die alte Propaganda in neuer Verpackung. Ponsonbys Regeln sind keine Vergangenheit. Sie sind Warnschilder. Und wer Warnschilder überfährt, darf sich später nicht darüber wundern, wenn er im Abgrund landet.

Alfred-Walter von Staufen: Am Ende bleibt eine einfache Pflicht: widersprechen. Ruhig, klar, unbestechlich. Gegen die Trommeln. Gegen die frommen Phrasen der Eskalation. Gegen die moralische Erpressung. Gegen jene, die Frieden für Feigheit halten, weil sie selbst nie den Preis des Krieges zahlen mussten. Wir stellen uns dagegen. Nicht aus Naivität. Sondern weil wir noch wissen, dass eine Katastrophe selten mit einem Knall beginnt. Meist beginnt sie mit Worten, denen zu viele zu lange geglaubt haben.


Manifest gegen den Krieg und für bedingungslosen Frieden

Wir verweigern uns der neuen Lust am Krieg.

Wir verweigern uns der Sprache, die den Menschen wieder an das Geräusch von Stiefeln gewöhnen will.

Wir verweigern uns der politischen Kälte, die aus Eskalation Verantwortung macht, aus Aufrüstung Vernunft und aus Friedenswillen eine verdächtige Charaktereigenschaft.

Wir sagen: Frieden ist nicht die Pause zwischen zwei Kriegen. Frieden ist kein sentimentales Lied alter Zeiten, kein naiver Wunschzettel, keine Schwäche derer, die angeblich nicht verstanden haben, wie hart die Welt sei!

Frieden ist die höchste Form politischer Vernunft.

Frieden ist die Kunst, das Schlimmste zu verhindern, bevor es wieder als historisches Schicksal verkauft wird.

Wir stellen uns gegen jene, die mit ernster Miene über Krieg sprechen, als säßen sie nicht in Fernsehstudios, Ministerien und Redaktionsräumen, sondern selbst im Schützengraben.

Wir stellen uns gegen jene, die das Wort „Kriegstüchtigkeit“ aussprechen, ohne rot zu werden. Ein Land, das nach zwei Weltkriegen wieder lernen soll, kriegstüchtig zu sein, hat nicht zu wenig Erinnerung, sondern zu wenig Anstand im Umgang mit ihr.

Wir glauben nicht an den moralisch sauberen Krieg.

Wir glauben nicht an Bomben mit Gewissen, Panzer mit Menschenwürde und Raketen mit demokratischem Bildungsauftrag. Krieg ist immer Verwüstung.

Krieg frisst Söhne und Töchter, Väter und Mütter, Städte und Seelen.

Krieg hinterlässt keine Heldenlandschaft, sondern Friedhöfe, Schuld, Krüppel, Witwen, Waisen, Traumata und Politikerreden am Jahrestag.

Wir wenden uns gegen die alte Propaganda in neuer Verpackung und gegen Feindbilder, die das Denken ersetzen. Gegen Schlagzeilen, die Hass erzeugen. Gegen Experten, die jeden Zweifel pathologisieren. Gegen Talkshows, in denen die Eskalation wie eine besonders verantwortungsvolle Haushaltsmaßnahme behandelt wird. Gegen die moralische Erpressung, nach der nur noch als anständig gilt, wer den nächsten Schritt in Richtung Abgrund beklatscht.

Wir bestehen darauf: Diplomatie ist kein Verrat. Verhandlungen sind keine Kapitulation. Zweifel ist keine Feigheit. Ursachenforschung ist keine Kollaboration. Wer Frieden fordert, steht nicht auf der Seite eines Feindes. Er steht auf der Seite der Lebenden.

Wir erklären: Kein Regierungschef, kein Minister, kein Bündnis, keine Redaktion, kein Konzern und kein geopolitischer Strategiekreis hat das Recht, Menschenleben wie Einsatzmaterial in die Berechnungen der Macht einzutragen. Wer vom Krieg spricht, spricht über das mögliche Sterben anderer. Diese Wahrheit darf nicht unter Akten, Formeln, Bündnisrhetorik und moralischem Nebel verschwinden.

Wir fordern eine Politik, die endlich wieder friedenstüchtig wird. Eine Politik, die zuhört, bevor sie droht. Eine Politik, die verhandelt, bevor sie liefert. Eine Politik, die deeskaliert, bevor sie mobilisiert. Eine Politik, die den Bürger nicht erzieht, sondern schützt. Eine Politik, die nicht ständig erklärt, warum der nächste gefährliche Schritt leider unvermeidlich sei, sondern endlich Wege sucht, ihn zu vermeiden.

Wir sprechen als Autoren, als Bürger, als Menschen. Mara Köstlin, Robert R. Manor, Alfred-Walter von Staufen und Sören Fahr stehen nicht für eine Kultur der Unterwerfung unter den Zeitgeist, sondern für eine Kultur des Widerspruchs. Wir wollen keine Literatur als Begleitmusik der Macht. Wir wollen Worte, die stören, wenn die Trommeln lauter werden. Wir wollen Sätze, die sich zwischen den Bürger und die Kriegsrhetorik stellen.

Unser Bekenntnis ist einfach: Wir stehen für den bedingungslosen Frieden. Nicht, weil die Welt harmlos wäre, sondern weil der Krieg es niemals ist. Nicht, weil wir blind wären für Schuld, Gewalt und Gefahr, sondern weil wir wissen, dass jede Eskalation neue Schuld, neue Gewalt und neue Gefahr gebiert.

Wir stellen uns gegen den Krieg. Gegen seine Sprache. Gegen seine Verführer. Gegen seine Profiteure. Gegen seine frommen Lügen. Gegen seine kalte Verwaltung des Todes.

Und wir sagen: Wer wirklich Verantwortung trägt, muss nicht zuerst kriegstüchtig werden. Er muss den Mut haben, Frieden zu wollen, bevor es zu spät ist.


Quellen und weiterführende Literatur

  • Arthur Ponsonby: Falsehood in War-Time. Containing an Assortment of Lies Circulated Throughout the Nations During the Great War. London, 1928.
  • Anne Morelli: Die Prinzipien der Kriegspropaganda. Aus dem Französischen von Marianne Schönbach. Zu Klampen Verlag, deutsche Ausgabe 2004; neuere Ausgabe 2014.
  • Deutschlandfunk: Anne Morelli: Die Prinzipien der Kriegspropaganda, 6. Dezember 2004.
  • Bundesregierung: Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz in der Sondersitzung des Deutschen Bundestages zum Krieg gegen die Ukraine, 27. Februar 2022.
  • Deutscher Bundestag: Boris Pistorius: Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein, Regierungsbefragung vom 5. Juni 2024.
  • Bundeswehr: Wir müssen so schnell wie möglich kriegstüchtig sein, Beitrag mit Generalinspekteur Carsten Breuer, 15. Dezember 2023.
  • Bundesministerium der Verteidigung: Verteidigungspolitische Richtlinien 2023.
  • Bundesregierung: Integrierte Sicherheit für Deutschland. Nationale Sicherheitsstrategie, 2023.
  • Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Sondervermögen für die Bundeswehr, 3. Juni 2022.
  • Bundesministerium der Verteidigung: Mehr als 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, 27. Februar 2022.
  • Bundesregierung: Diese Waffen und militärische Ausrüstung liefert Deutschland an die Ukraine, Übersicht der Bundesregierung, Stand 17. April 2025.
  • NATO: Defence Expenditure of NATO Countries 2014–2025.
  • Bundeszentrale für politische Bildung: Kriegstüchtig?, Aus Politik und Zeitgeschichte, 2024.

Autor

  • Goldene stilisierte Eule mit sanft leuchtenden Augen, kreisförmig eingefasst auf transparentem Hintergrund – Logo von Freunde der Erkenntnis.

    Wer zwischen 2020 und 2026 für Freunde der Erkenntnis schrieb, schrieb nicht am Rand der Gegenwart, sondern in ihr hinein: in die Verhärtungen der Sprache, in die moralische Selbstgewissheit der Lager, in die ritualisierte Empörung, die sich als Haltung tarnt und doch oft nur Reflex ist.

    Der Autor versteht Publizistik nicht als Erregungsverwaltung, sondern als intellektuelle Arbeit am Nebel: Begriffe werden entkleidet, Narrative auf ihre Trägerinteressen geprüft, die Mechanik des Zeitgeistes offengelegt. Nicht das Personal steht im Zentrum, sondern die Architektur: die Apparate, die Rechtfertigungen, die institutionellen Routinen, die aus Macht „Notwendigkeit“ machen.

    Sein Schreiben bewegt sich im Spannungsfeld aus philosophischer Diagnostik, kulturhistorischer Tiefenschärfe und sprachkritischer Präzision. Es ist weder akademische Sterilität noch Aktivismus-Poesie – eher eine Form von Essayistik als Gegenwartskritik, die den Leser nicht beruhigt, sondern herausfordert: Was gilt hier eigentlich als wahr – und wer profitiert davon, dass es gilt?

    Schwerpunkte

    • Machtanalyse: Strukturen, Legitimationen, Selbstschutzmechanismen politischer und ideologischer Apparate
    • Medien- und Diskurskritik: Moralrhetorik, Deutungsmonopole, Begriffsverschiebungen
    • Kultur- & Ideengeschichte: historische Rückbezüge als Gegenmittel zur Gegenwarts-Hysterie
    • Psychologie kollektiver Narrative: Angst, Zugehörigkeit, Schuld- und Erlösungslogiken
    • Sprachkritik: Begriffe als Waffen, Etiketten als Ersatz für Argumente

    Stil & Haltung

    Der Ton ist bewusst zugespitzt, weil der Autor davon ausgeht, dass die Gegenwart mit Watte nicht mehr zu erreichen ist. Ironie dient nicht dem Witz, sondern der Entlarvung; Zuspitzung nicht der Pose, sondern der Prüfung. Im Kern steht ein nüchterner Satz, der seine Texte wie ein Stachel begleitet: Strukturen sind gefährlicher als Personen.

    Freunde der Erkenntnis ist in dieser Perspektive kein Nachrichtenraum, sondern ein Denkraum: eine Werkstatt gegen geistige Bequemlichkeit – und gegen die bequeme Lüge, man könne Freiheit durch Verwaltung, Wahrheit durch Etikettierung und Mündigkeit durch Betreuung ersetzen.

    Zwischen 2020 und 2026 entstanden so Langformate, Serien, Dossiers und Essays, die weniger „Meinung“ liefern als Orientierung im Bedeutungschaos: durch Zweifel, durch Argument, durch den Mut, auch das Eigene zu riskieren.


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    Die Wut des kleinen Mannes - Vom Stammtisch zur Straße – Eine Abrechnung mit Eliten, Medien und Systemversagen - Autor Alfred-Walter von StaufenISBN: 978-3-912108-11-8
    Erscheinungsjahr: 2025
    Seitenzahl: 556

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    BLUTGELD Die Seelenlosen Profiteure Des Todes Alfred Walter Von Staufen CoverISBN: 978-3-912108-20-0
    Erscheinungsjahr: 2025
    Seitenzahl: 544

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    Buchcover "Der Stern und das Ego" – Über Anklage, Auftritt und die erste TodsündeISBN: 978-3-912108-29-3
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 172

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    Eine schonungslose Analyse der Ideologie hinter Verzicht, Schrumpfung und moralischer Politik. Dieses Buch fragt, ob der Westen gerade seine eigene Zukunft verwaltet – statt sie zu gestalten.ISBN: 978-3-912108-24-8
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

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    Der zweite Band von Der grüne Kommunismus analysiert die Machtmechanismen, mit denen Schrumpfung, Kontrolle und Verzicht politisch umgesetzt werden. Ein scharfes, fundiertes Buch über Demokratie, Knappheit und die stille Architektur der neuen Ordnung.ISBN: 978-3-912108-25-5
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    Der dritte Band der Trilogie zeigt, wie sich Degrowth und gelenkte Knappheit im Alltag anfühlen – jenseits von Theorie und Machtanalyse. Nüchtern, bedrückend und ohne Verschwörung erzählt er vom neuen Normal zwischen Anpassung, Steuerung und Freiheitsverlust.ISBN: 978-3-912108-27-9
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    Seitenzahl: 404

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    Buchumschlag „Versorgung statt Verschwendung“ – Reformbuch über Daseinsvorsorge, Bürgerstaat und politische Verantwortung.ISBN: 978-3-912108-27-9
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 404

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    TIMMY Wenn das Meer um Hilfe ruft Softcover Cover mit Banderole jpISBN: 978-3-912108-32-3
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

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    TIMMY Wenn das Meer um Hilfe ruft Hardcover Cover mit Banderole jpISBN: 978-3-912108-33-0
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

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TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft
TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft – Premium-Buch über Meeresschutz, Geisternetze und die stille Krise unter Wasser