„Versorgung statt Verschwendung“ – das neue Reformbuch über einen Staat, der den Bürgern wieder dienen soll.
TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft – Premium-Buch von edition leseReich

Von Bargeldverbot, Bahnromantik und Tomatenpflanzen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Also eins muss ich euch sagen: Der Juni ist schon wieder vorbeigerannt, wie ein Vertreter mit Klinkenputzerkoffer kurz vor Feierabend. Eben noch war Karneval, Ostern, jetzt guckst du auf den Kalender und denkst: Moment mal… wo ist denn der ganze Monat geblieben? Der ist dahingeschmolzen wie die Pfunde nach der Abnehmspritze. Wobei… wenn ich auf meinen Bauch gucke, muss ich wohl aus Versehen Kochsalzlösung bekommen haben.

Ich wollte mir eigentlich den Juni noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Hat nicht funktioniert. Kaum hatte ich angefangen nachzudenken, rief Gunnar an.

„Robert“, sagt er, „Freitag geht’s los.“

„Wohin?“

„Hamburg.“

„Ach richtig… Musical.“

„Und vergiss deine gute Laune nicht. Die wird unterwegs nämlich mehrfach kontrolliert.“

Da wusste ich noch nicht, wie recht der Mann behalten sollte.

Wir von unserem Stammtisch – der offiziell natürlich keiner ist, sondern inzwischen nur noch liebevoll „Trinkpausen-Club“ heißt, weil heutzutage alles nach Fußball-WM, Teammeeting oder Coaching-Seminar klingen muss – machen jedes Jahr einen gemeinsamen Ausflug.

Mit dabei:

Gunnar, der redet so direkt, dass selbst der Wetterbericht manchmal beleidigt ist.

Nikolai, rechnet sogar beim Kegeln die Abschreibung der Kugeln aus.

Rüdiger, der Mann ist Pragmatiker. Wenn neben ihm ein Haus brennt, fragt er zuerst, ob das baurechtlich genehmigt wurde.

Und ich.

Klaus, unser Köbes, blieb diesmal zuhause und versprach, in unserer Abwesenheit die Zapfanlage emotional zu betreuen.

Also rein in den ICE.

ICE, allein dieses Wort ist mittlerweile Satire. Früher bedeutete das „InterCityExpress“. Heute heißt es eher: „Irgendwann kommen wir eventuell.“

Kaum hatten wir unsere Plätze gefunden, meldete sich die freundliche Stimme aus dem Lautsprecher.

TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft | Buchbanner
TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft – Premium-Version mit 5 Euro Unterstützung für den Schutz unserer Meeresbewohner

„Sehr geehrte Fahrgäste…“ Ab da hörte eigentlich keiner mehr richtig zu, denn jeder Deutsche weiß: Wenn dieser Satz fällt, wird’s entweder teuer, verspätet oder beides.

Und tatsächlich „…wegen einer kurzfristigen Betriebsstörung…“

Gunnar grinste nur: „Ich hab’s geahnt.“

Nikolai zog sofort sein Handy, „Mal sehen, ob wir Entschädigung bekommen.“

Rüdiger schaute aus dem Fenster, „Vielleicht fahren wir ja gleich rückwärts oder so.“

Und ich? Ich bestellte mir erst einmal einen Kaffee, zumindest hatte ich das vor, denn kaum war der Bordbistro-Wagen geöffnet, hieß es: „Pommes leider aus.“

Ehrlich gesagt, ich wusste gar nicht, dass Pommes mittlerweile unter kritische Infrastruktur fallen. Früher fehlten in Deutschland Fachkräfte und heute fehlen halt Kartoffelstäbchen.

Zwischendurch hielten wir irgendwo im Nirgendwo. Keiner wusste warum. Der Zug stand einfach so herum. Die Klimaanlage machte Geräusche wie meine alte Waschmaschine kurz vor der Rente.

Eine Dame gegenüber fragte den Zugbegleiter: „Warum stehen wir denn?“

Antwort: „Wir warten auf freie Strecke.“

Das ist ungefähr so hilfreich wie die Aussage meines Arztes: „Sie sind krank, bis Sie wieder gesund sind.“

Ich glaube wirklich, unser ICE machte mehr Trinkpausen als wir in unserem Kölle.

Als wir schließlich Hamburg erreichten, hatte ich das Gefühl, nicht gereist zu sein, sondern ausgewandert.

Kennt ihr dieses irre Gefühl?

Man steigt aus, der Körper ist da, der Rücken irgendwo zwischen Hannover und Harburg und die Seele hat den Anschlusszug verpasst.

Unser Hotel lag mitten auf der Reeperbahn.

Allein das war schon ein Erlebnis.

Überall Musik.

Bunte Menschen.

Blinkende Lichter.

Und jeder Zweite sah aus, als würde er entweder gerade feiern oder seine Steuererklärung verdrängen.

Wir stellten unsere Koffer ab und gingen wir etwas essen.

Ich bestellte ein Schnitzel.

Die Bedienung lächelte: „Wie möchten Sie bezahlen?“

Ich legte einen Zwanziger auf den Tisch. Sie schaute mich an, als hätte ich ihr gerade einen römischen Denar angeboten.

„Nur Karte.“

Na gut.

Karte.

Beim nächsten Laden wieder.

Nur Karte.

An der Fähre.

Nur Karte.

Pommes.

Nur Karte.

Cola.

Nur Karte.

Garderobe.

Natürlich, auch nur Karte.

Irgendwann bekam ich das Gefühl, Bargeld sei inzwischen ungefähr so modern wie ein Faxgerät mit Kurbelantrieb.

Ich hatte genügend Scheine in der Tasche, sauber gefaltet und ordentlich sortiert. Sie fühlten sich plötzlich an wie Eintrittskarten für ein Museum.

„Robert“, sagte Nikolai grinsend, „das nennt sich Fortschritt.“

Ich antwortete: „Wenn Fortschritt bedeutet, dass mein Geld überall willkommen ist – solange ich es nicht sehen kann –, dann bin ich wohl noch Baujahr Analog.“

Gunnar lachte so laut, dass sich zwei Möwen erschraken.

„Pass auf“, sagte er, „bald musst du deine Bratwurst vorher abonnieren.“

Rüdiger blieb wie immer gelassen.

„Ach“, meinte er, „solange das Kölsch noch aus Gläsern kommt und nicht als App heruntergeladen werden muss, ist doch alles gut.“

Wir gingen schließlich ins Musical. Und darüber kann ich wirklich nichts Schlechtes sagen. Ganz im Gegenteil. Was die da auf die Bühne gebracht haben, war große Klasse. Da wurde getanzt, gesungen und gespielt, dass ich zwischendurch fast vergessen hätte, wie oft meine Karte heute schon gezückt worden war.

Fast, denn jedes Mal, wenn ich mir etwas kaufen wollte, piepte wieder irgendein Gerät.

Dieses Piepen verfolgt mich inzwischen bis in den Schlaf.

Neulich standen sogar meine Tomatenpflanzen auf dem Balkon verdächtig dicht nebeneinander. Ich hatte kurz den Eindruck, gleich hält mir eine Cocktailtomate ein Kartenlesegerät entgegen und fragt freundlich: „Kontaktlos oder mit PIN?“

Ich sage euch… dieser Juni fing schon verdammt vielversprechend an.

Wenn das Konto plötzlich aussieht wie ein Tatort

Sonntagabend, endlich wieder zuhause.

Eigentlich der schönste Moment eines Ausflugs. Schuhe aus. Kaffeemaschine an. Noch einmal tief durchatmen. Man freut sich auf das eigene Sofa, den vertrauten Blick vom Balkon und darauf, dass die Tomatenpflanzen einen wenigstens nicht fragen, ob man kontaktlos bezahlen möchte.

Ich stellte den Koffer in die Ecke, setzte mich mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch und dachte: „Na komm, Robert, wirf noch eben einen Blick aufs Konto. Wird schon nicht so schlimm sein.“

Dieser Gedanke hielt ungefähr drei Sekunden, dann öffnete ich die Banking-App … Ich schwöre euch, in genau diesem Moment hörte ich irgendwo in der Ferne eine dramatische Geigenmusik mit Glockenklang

… und da standen sie. Nicht ordentlich untereinander, nein. Die Abbuchungen wirkten wie eine Horde Wildschweine, die nachts durch einen frisch angelegten Vorgarten gepflügt war.

Hotel.

Restaurant.

Fähre.

Kaffee.

Pommes.

Getränke.

Noch ein Kaffee.

Warum eigentlich noch ein Kaffee?

Und plötzlich dieser Gedanke: Ach du heilige Schwimmnudel im überfüllten Freibad …

Kennt ihr das? Wenn man unterwegs gar nicht merkt, wie das Geld verschwindet?

Früher tat jeder Zwanziger beim Bezahlen ein bisschen weh. Man spürte das. Der Geldbeutel wurde leichter, der Verstand vorsichtiger.

Heute macht es nur noch „Piep“.

Dieses kleine unschuldige „Piep“.

Das klingt wie ein Wellensittich mit guten Manieren, aber in Wahrheit ist es der akustische Startschuss für die nächste Abbuchung.

Ein freundliches „Piep“, das übersetzt ungefähr bedeutet: „Vielen Dank. Ihr Konto wird gerade in eine spannende Abenteuerreise geschickt.“

Ich saß da und rechnete oder besser gesagt: Ich versuchte zu rechnen, denn spätestens nach der vierten Abbuchung verliert man völlig den Überblick.

Früher hattest du einen Geldschein weniger.

Heute hast du siebzehn digitale Einzelbeträge, drei Vorautorisierungen, zwei Reservierungen und irgendeinen Betrag mit kryptischem Namen, der aussieht wie das WLAN-Passwort eines Flughafens.

Da steht dann nicht „Imbissbude Jens“.

Sondern: PXM-HH-NORD-457B DIGITAL SERVICES.

Da fragst du dich ernsthaft, ob du Pommes rot-weiß gegessen oder versehentlich Anteile an einer Raumstation gekauft hast.

Am nächsten Morgen war der erste Schreck halbwegs verdaut. Ich brauchte noch ein paar Kleinigkeiten. Zahnpasta. Duschgel. Waschmittel. Also ab zu Rossmann.

Ich schob meinen Einkaufswagen gemütlich durch die Gänge und dachte noch: „Heute läuft alles entspannt.“

Ha! Schon wieder dieser seltsame Optimismus.

An der Kasse angekommen, hing dort ein Schild:

„Kasse nicht besetzt.“

Na gut, kann ja mal passieren.

Ich schaute nach rechts. Da standen vier Selbstbedienungskassen und alle blinkten mich gleichzeitig an.

Kennt ihr diese Szene in Krimis, wenn mehrere Verdächtige den Kommissar gleichzeitig anschauen?

Genau so!

Eine junge Mitarbeiterin lächelte freundlich: „Sie können dort selbst bezahlen.“

Ich fragte: „Und wer kassiert?“

„Sie.“

„Wer kontrolliert?“

„Auch Sie.“

„Wer packt ein?“

„Na … Sie eben.“

Ich nickte.

„Fehlt eigentlich nur noch, dass ich nachher hinten im Lager den Boden wische.“

Sie musste lachen.

Immerhin, Humor war also noch nicht automatisiert.

Ich stellte meinen Einkaufswagen neben die Selbstbedienungskasse.

Dann betrachtete ich dieses blinkende Gerät.

Es wirkte auf mich wie ein übereifriger Praktikant: „Bitte Artikel scannen.“

Piep.

„Artikel in Ablage legen.“

Piep.

„Unbekannter Artikel.“

Piep.

„Bitte Mitarbeiter rufen.“

Piep.

Nach drei Minuten hatte ich mehr Anweisungen bekommen als früher beim Wehrdienst.

Da packte mich der kleine Kabarettist, der irgendwo tief in mir wohnt. Ich stellte den randvollen Einkaufswagen ordentlich neben die geschlossene Kasse, suchte einen Zettel und schrieb mit einem Kugelschreiber:

„Einkaufswagen nicht besetzt.“

Legte den Zettel oben drauf, nickte zufrieden und ging.

Ich war keine zehn Meter draußen, da musste ich selbst laut lachen.

Natürlich wusste ich, dass die Mitarbeiter nichts dafür konnten. Die waren freundlich und die machten ihren Job. Aber manchmal muss man einfach seinem inneren Büttenredner kurz Ausgang geben und der Einkaufswagen war mein Applaus.

Wieder zuhause erzählte ich die Geschichte natürlich beim nächsten Treffen unserer „Trinkpausen-Bande“.

Klaus stellte kommentarlos vier Bier auf den Tisch.

Das macht er immer so. Er behauptet, Bier sei oft der kürzeste Weg zu vernünftigen Gesprächen.

„Robert“, grinste Gunnar, „du bist der erste Mensch, der einen Einkaufswagen in den Streik geschickt hat.“

„Gar nicht schlecht“, sagte Nikolai. „Rein betriebswirtschaftlich hast du allerdings auf Zahnpasta verzichtet.“

„Und was hast du stattdessen gemacht?“, fragte Rüdiger.

„Ich bin in die Apotheke gegangen.“

„Mit Bargeld?“

„Mit Bargeld.“

„Hat funktioniert?“

„Ja.“

„Siehst du“, sagte Rüdiger trocken, „manchmal ist die kürzeste Innovation einfach eine geöffnete Kasse.“

Wir lachten.

Dann wurde es kurz still.

Ich schaute in mein Bierglas.

Eigentlich war es gar nicht das Bezahlen, das mich beschäftigte. Es war dieses Gefühl, dass immer mehr kleine Begegnungen verschwinden, denn früher wechselte man an der Kasse noch zwei Sätze.

„Schönes Wochenende.“

„Danke, Ihnen auch.“

Nichts Weltbewegendes, aber menschlich.

Heute spricht man stattdessen mit einem Bildschirm.

Und der bedankt sich nicht.

Er piept nur.

Vielleicht werde ich wirklich älter. Kann ja sein.

Vielleicht rede ich irgendwann tatsächlich mit meinen Tomatenpflanzen auf dem Balkon, wenn sie weiter so prächtig wachsen.

Aber ich bilde mir ein, selbst die hören besser zu als manche Selbstbedienungskasse.

Und gerade als ich dachte, der Juni könne nun wirklich keine schrägere Geschichte mehr liefern, schlug ich die Zeitung auf.

Großer Fehler, gaaanz groooßer Fehler!!! Denn was dort auf den nächsten Seiten stand, hätte sich kein Kabarettautor in einer besonders kreativen Nacht auszudenken gewagt…

Der Juni hatte endgültig beschlossen, Kabarettautor zu werden

Ich legte also die Zeitung auf den Stammtisch.

Keiner sagte etwas. Nicht, weil niemand reden wollte, sondern weil wir alle denselben Gedanken hatten.

Das kann doch unmöglich alles wahr sein.

Klaus stellte schweigend die nächste Runde Bier auf den Tisch.

Das macht er immer, wenn er ahnt, dass die Realität gleich wieder anfängt, Überstunden zu machen.

„Na los“, sagte Gunnar. „Lies schon vor.“

Ich setzte die Lesebrille auf. Allein das ist inzwischen ein Vorgang mit mehr Einzelteilen als ein schwedischer Kleiderschrank.

„Erste Meldung“, sagte ich.

„Ein Wolf spaziert nachts über einen Bahnhof.“

Stille.

„Mehr nicht?“ fragte Rüdiger.

„Doch. Er benutzte sogar einen Bahnübergang.“

Nikolai hob sein Glas.

„Vorbildlicher als manche Autofahrer.“

Ich musste lachen.

Ganz ehrlich… ich fand das Bild herrlich.

Ein Wolf mitten auf einem Bahnhof.

Vielleicht stand er vor dem Fahrplan und suchte einen Anschluss nach Wolfsburg.

Vielleicht wartete er auf Gleis sieben.

Vielleicht war er einfach nur der erste Fahrgast seit Monaten, der pünktlich gewesen wäre.

Und dann dieser Gedanke:

Ob der wohl auch am Automaten stand und verzweifelt versuchte herauszufinden, ob für einen Wolf das Deutschlandticket oder doch eher die Familienkarte gilt?

Ich sehe ihn förmlich vor mir: Die Ohren angelegt und die Pfote auf dem Display.

„Bitte wählen Sie Ihre Verbindung.“

Der Wolf schaut den Automaten an.

Der Automat schaut zurück.

Nach zehn Minuten heulen beide los.

Piep.

„Weiter“, sagte Gunnar.

Ich blätterte um.

„Hausfriedensbruch in einem Steinbruch.“

„Moment“, unterbrach Klaus.

„Hausfriedensbruch… im Steinbruch?“

„Ja.“

„Das klingt schon wie ein Satz, bei dem sich die deutsche Sprache selbst fragt, wann heute Feierabend war.“

Dann kam auch noch der Hund dazu.

Ich sagte nur:

„Der Rottweiler entschied offenbar spontan, ebenfalls am Einsatz teilnehmen zu wollen.“

Rüdiger schüttelte langsam den Kopf.

„Es gibt Tage“, sagte er trocken, „da wachst du morgens auf und denkst: Hoffentlich bleibt heute alles ruhig.“

Und irgendwo antwortet das Universum:

„Nein.“

Nächste Meldung.

Der brasilianische Präsident wünschte sich bei seinem Deutschlandbesuch nichts weiter als eine Currywurst vom Straßenimbiss.

Kein Staatsbankett.

Keinen Hummer.

Keine Goldteller.

Eine Currywurst.

Bekommen hat er Schlossküche.

Ich musste laut lachen.

Das ist ungefähr so, als würdest du am Hamburger Hafen sagen: „Ich hätte gern ein Fischbrötchen.“, und jemand serviert dir stattdessen ein kunstvoll dekoriertes Lachs-Tatar auf Porzellan, das aussieht, als hätte ein Architekt Mittagspause gemacht.

Manchmal liegt zwischen Wunsch und Wirklichkeit eben nur ein Protokoll.

„Jetzt kommt mein Favorit“, sagte ich.

„Die Deutsche Meisterschaft im Dackelrennen.“

Klaus stellte sein Bier ab.

„Bitte was?“

„Über zweihundertfünfzig Dackel.“

„Gleichzeitig?“

„Ja.“

Wir schauten uns an.

Dann lachten wir alle gleichzeitig.

Ich weiß gar nicht, warum.

Vielleicht, weil allein der Gedanke an zweihundertfünfzig hochmotivierte Dackel etwas unfassbar Friedliches hat.

Während andere über Börsenkurse diskutieren, sprinten irgendwo kleine Hunde mit viel Ehrgeiz und wenig Bodenfreiheit über eine Wiese.

Das ist doch eigentlich die Welt, die wir öfter sehen sollten.

„Wer gewinnt denn so etwas?“, fragte Gunnar.

„Der Schnellste.“

„Und der Letzte?“

„Der schnüffelt vermutlich noch am Start.“

Die nächste Meldung brachte uns endgültig aus dem Konzept.

Hundeeis.

Ja.

Hundeeis.

Es gibt Vanille.

Schokolade.

Stracciatella.

Und inzwischen bekommt Bello offenbar ebenfalls seine Sommerkarte.

Ich stelle mir das bildlich vor: Der Hund schleckt zufrieden sein Eis, das Herrchen schaut auf den Preis und Beide hecheln gleichzeitig, jedoch aus unterschiedlichen Gründen.

„Früher bekam unser Hund einen Knochen“, sagte Klaus.

„Heute verlangt er vermutlich die Dessertkarte.“

Wir lachten Tränen.

Zum Schluss blieb noch die Geschichte mit König Charles.

Ein Assistenzhund sprang ihn begeistert an.

Und wisst ihr was? Das war wahrscheinlich die ehrlichste Begrüßung des ganzen Tages, denn Tiere kennen keine Etikette, keine Rangordnung und auch keinen Dresscode.

Sie freuen sich einfach.

Vielleicht liegt genau darin eine kleine Lektion.

Nicht alles muss gebügelt, im feinen Zwirn und perfekt organisiert sein. Manches darf einfach spontan passieren.

Wir saßen noch eine Weile schweigend zusammen.

Das Bier war fast leer.

Draußen wurde es langsam dunkel.

Ich dachte an Hamburg.

An den ICE.

An das ewige Piepen der Kartenlesegeräte.

An den Einkaufswagen mit seinem kleinen Schild.

An den Wolf auf dem Bahnhof.

An die Dackel.

An das Hundeeis.

Und irgendwie fiel mir auf, dass wir heute über Dinge lachen, die vor zehn Jahren vermutlich niemand geglaubt hätte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Humor so wichtig bleibt. Er macht die Welt nicht einfacher. Er macht sie auch nicht gerechter. Und manchmal sorgt er wenigstens dafür, dass wir über den täglichen Wahnsinn nicht den Mut verlieren.

Wir müssen nicht jede technische Neuerung feiern.

Wir müssen auch nicht jede Veränderung verteufeln.

Vielleicht reicht es schon, wenn wir uns gelegentlich daran erinnern, dass Fortschritt und Menschlichkeit wunderbar zusammenpassen können. Ein freundliches Gespräch ersetzt keine Technik – aber Technik ersetzt eben auch kein freundliches Gespräch.

Und wenn wir irgendwann mehr Zeit mit Displays verbringen als mit Blicken, mehr mit Pieptönen als mit einem Lächeln, dann sollten wir vielleicht kurz innehalten.

Nicht aus Nostalgie, sondern weil das Menschliche meistens leise beginnt.

Mit einem kleinen Gespräch.

Mit einem herzhaften Lachen.

Oder mit vier Freunden am Stammtisch, die feststellen, dass der Juni 2026 wieder einmal bewiesen hat: Die Wirklichkeit braucht längst keine Satiriker mehr. Sie schreibt ihre Pointen inzwischen selbst.

Das alles wollte ich jetzt und hier loswerden.

Nun sage ich mal bis denne und Tschö mit drei Ö!

Autor

  • Porträt von Robert R. Manor, Kolumnist beim Stammtisch der Vernunft

    Robert R. Manor, der Chronist vom Stammtisch der Vernunft, ist kein Experte – und genau das ist seine Stärke. Geprägt vom rheinischen Industriegebiet und vielen Jahren im öffentlichen Dienst, beobachtet er Politik, Gesellschaft und Alltag mit Humor, Selbstironie und feinem Gespür für Schieflagen.

    Sein monatlicher „Monatsrückblick“ ist ein literarischer Seismograph der Gegenwart – für alle, die noch zuhören können, wenn andere schreien.

    Zur vollständigen Autorenseite →


    Banner der edition leseReich mit goldenem Adleremblem und dem Schriftzug „Alle Veröffentlichungen – Die komplette Edition leseReich – Politik. Philosophie. Wahrheit.“

    Die Wut des kleinen Mannes - Vom Stammtisch zur Straße – Eine Abrechnung mit Eliten, Medien und Systemversagen - Autor Alfred-Walter von StaufenISBN: 978-3-912108-11-8
    Erscheinungsjahr: 2025
    Seitenzahl: 556

    Button Im Verlag bestellen

    BLUTGELD Die Seelenlosen Profiteure Des Todes Alfred Walter Von Staufen CoverISBN: 978-3-912108-20-0
    Erscheinungsjahr: 2025
    Seitenzahl: 544

    Button Im Verlag bestellen

    Buchcover "Der Stern und das Ego" – Über Anklage, Auftritt und die erste TodsündeISBN: 978-3-912108-29-3
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 172

    Button Im Verlag bestellen

    Eine schonungslose Analyse der Ideologie hinter Verzicht, Schrumpfung und moralischer Politik. Dieses Buch fragt, ob der Westen gerade seine eigene Zukunft verwaltet – statt sie zu gestalten.ISBN: 978-3-912108-24-8
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

    Button Im Verlag bestellen

    Der zweite Band von Der grüne Kommunismus analysiert die Machtmechanismen, mit denen Schrumpfung, Kontrolle und Verzicht politisch umgesetzt werden. Ein scharfes, fundiertes Buch über Demokratie, Knappheit und die stille Architektur der neuen Ordnung.ISBN: 978-3-912108-25-5
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 396

    Button Im Verlag bestellen

    Der dritte Band der Trilogie zeigt, wie sich Degrowth und gelenkte Knappheit im Alltag anfühlen – jenseits von Theorie und Machtanalyse. Nüchtern, bedrückend und ohne Verschwörung erzählt er vom neuen Normal zwischen Anpassung, Steuerung und Freiheitsverlust.ISBN: 978-3-912108-27-9
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 404

    Button Im Verlag bestellen

    Buchumschlag „Versorgung statt Verschwendung“ – Reformbuch über Daseinsvorsorge, Bürgerstaat und politische Verantwortung.ISBN: 978-3-912108-27-9
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 404

    Button Im Verlag bestellen

    TIMMY Wenn das Meer um Hilfe ruft Softcover Cover mit Banderole jpISBN: 978-3-912108-32-3
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

    Button Im Verlag bestellen

    TIMMY Wenn das Meer um Hilfe ruft Hardcover Cover mit Banderole jpISBN: 978-3-912108-33-0
    Erscheinungsjahr: 2026
    Seitenzahl: 448

    Button Im Verlag bestellen

TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft
TIMMY – Wenn das Meer um Hilfe ruft – Premium-Buch über Meeresschutz, Geisternetze und die stille Krise unter Wasser