Der Messias aus Mar-a-Lago und das Drehbuch hinter der Bühne

Von Alfred-Walter von Staufen

Es gehört inzwischen fast schon zur Folklore des digitalen Zeitalters, dass sich politische Figuren nicht mehr allein über Programme, Taten oder historische Einordnung definieren, sondern über die Projektionen ihrer Anhänger, die sie – je nach ideologischer Temperatur – entweder in den Himmel heben oder in die Hölle verdammen, und selten war dieses Phänomen so ausgeprägt wie im Fall von Donald J. Trump, der in zahlreichen Social-Media-Kanälen nicht nur als Präsident, sondern als eine Art Heilsfigur gefeiert wird, als Friedensbringer, als Befreier der Menschheit, als Großmeister eines angeblichen „5D-Schachs“, dessen Züge angeblich im Verborgenen stattfinden und dessen Ziel nichts Geringeres sein soll als die Einleitung eines „goldenen Zeitalters“.

Dieses „goldene Zeitalter“, das heute von manchen als politisches Versprechen verkauft wird, ist jedoch kein neues Konzept, sondern eine Idee, die bereits im Jahr 1917 von Wladimir Iljitsch Lenin formuliert wurde – kurz bevor ein politisches System namens Kommunismus entstand, das millionenfaches Leid und Tod über Russland und weite Teile der Welt brachte (1), und allein dieser historische Rückgriff sollte ausreichen, um zumindest einen Moment innezuhalten und sich zu fragen, ob jede Verheißung einer perfekten Zukunft nicht zugleich auch die Gefahr einer perfekten Katastrophe in sich trägt.

Doch genau an diesem Punkt trennt sich der Glaube vom Denken, denn während die einen in Trump den Mann sehen, der angeblich „das System zerstört“, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Strukturen, die politische Macht tatsächlich formen, und hier stößt man unweigerlich auf ein Dokument, das weniger spektakulär klingt als ein „goldenes Zeitalter“, dafür aber umso konkreter ist: Project 2025.

Project 2025, offiziell als „2025 Presidential Transition Project“ bezeichnet, ist ein politischer Plan zur umfassenden Umgestaltung der US-Bundesregierung, mit dem Ziel, die Exekutivgewalt zu stärken und eine konservative politische Agenda systematisch umzusetzen, initiiert von Kevin Roberts, dem Präsidenten der Heritage Foundation, einer einflussreichen konservativen Denkfabrik, und getragen von einem Netzwerk aus rund 80 Organisationen (2).

Zu diesen Organisationen gehören unter anderem Turning Point USA, das Conservative Partnership Institute mit dem ehemaligen Trump-Stabschef Mark Meadows, das Center for Renewing America unter Russell Vought sowie America First Legal unter der Leitung von Stephen Miller – allesamt Akteure, die tief in die politische Infrastruktur der USA eingebunden sind und deren Einfluss weit über einzelne Wahlkämpfe hinausgeht (3).

Doch was dieses Projekt besonders interessant macht, ist nicht nur seine Existenz, sondern seine Kontinuität, denn bereits vor der Wahl 2016 wurde ein ähnliches Programm unter dem Titel „Mandate for Leadership“ erstellt, das 334 konkrete Handlungsempfehlungen enthielt, von denen laut Heritage Foundation innerhalb eines Jahres rund 64 Prozent umgesetzt wurden (4).

Man könnte also sagen: Der Plan existierte, bevor der Präsident handelte.

Oder, um es in der Sprache dieses Essays zu formulieren:

Das Drehbuch war geschrieben, bevor der Schauspieler die Bühne betrat.

Und genau hier beginnt die eigentliche Spannung dieser Geschichte, denn während Donald Trump im Juli 2024 auf seinem Netzwerk Truth Social erklärte, er wisse nichts über Project 2025, habe es nie gelesen und wolle es auch nicht lesen (5), zeigt ein Blick auf die beteiligten Personen ein anderes Bild, denn von den 34 Autoren dieses Projekts wurden 31 während seiner Amtszeit in Regierungspositionen berufen oder zumindest dafür nominiert (6).

Nun könnte man dies als Zufall interpretieren, als eine Art politischer Parallelentwicklung, doch wer sich ein wenig mit Machtstrukturen beschäftigt, weiß, dass Zufälle in dieser Größenordnung selten sind, denn Politik entsteht nicht im luftleeren Raum.

Sie entsteht in Netzwerken, in Denkfabriken und in Strategiepapiere gegossen, lange bevor sie öffentlich sichtbar wird. Und genau deshalb wirkt die Vorstellung, dass ein einzelner Präsident – egal ob Trump oder ein anderer – allein die Richtung globaler Politik bestimmt, fast schon naiv, wenn man gleichzeitig sieht, wie eng politische Entscheidungsträger mit Institutionen verknüpft sind, die seit Jahrzehnten Strategien entwickeln.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob Trump gut oder schlecht ist, sondern ob er tatsächlich derjenige ist, der entscheidet – oder derjenige, der Entscheidungen verkündet.

Ist er der Architekt – oder das Gesicht des Bauplans?

Ist er der Spieler – oder die Figur?

Diese Fragen mögen unbequem sein, weil sie das einfache Narrativ vom starken Mann infrage stellen, doch genau darin liegt ihre Bedeutung, denn sie zwingen uns, Politik nicht als Bühne mit einem Hauptdarsteller zu betrachten, sondern als ein komplexes System, in dem viele Akteure zusammenwirken.

Und vielleicht liegt genau darin die Ironie unserer Zeit, dass ausgerechnet diejenigen, die glauben, sie hätten das System durchschaut, indem sie einem einzelnen Mann folgen, genau das tun, was Systeme am besten funktioniert lässt: Sie personalisieren Macht, die in Wirklichkeit strukturell organisiert ist.

Donald Trump erscheint in diesem Kontext weniger als der große Revolutionär, der das System sprengt, sondern vielmehr als eine Figur, die innerhalb dieses Systems agiert, vielleicht mit eigenen Interessen, vielleicht mit eigenem Willen – aber eingebettet in ein Netzwerk, das größer ist als jede einzelne Person.

Oder, um es zugespitzt zu formulieren:

Vielleicht ist die größte Illusion nicht, dass es geheime Pläne gibt, sondern dass wir glauben, sie würden von Einzelpersonen gemacht.

Und genau an diesem Punkt lohnt es sich, im nächsten Teil einen Blick auf die Praxis zu werfen, auf jene Orte, an denen Politik nicht mehr Theorie ist, sondern Realität – in Venezuela, im Iran, in Kuba und sogar in den eisigen Weiten Grönlands.

 

Die Umsetzung: Regimewechsel, Druckpolitik und die Handschrift von Project 2025

Wenn man verstehen will, ob ein politisches Konzept wie Project 2025 mehr ist als nur ein geduldiges Papier, dann genügt es nicht, sich an programmatischen Aussagen festzuhalten oder an wohlklingenden Formulierungen, die sich in Strategiedokumenten finden lassen, sondern man muss dorthin schauen, wo Politik konkret wird, wo Entscheidungen Folgen haben, wo aus Ideen Maßnahmen werden, wo aus Worten Realität entsteht, und genau dort – in den Spannungsfeldern internationaler Politik – beginnt sich ein Muster abzuzeichnen, das sich nur schwer als Zufall erklären lässt.

Beginnen wir mit Venezuela, einem Land, das seit Jahren im Fokus amerikanischer Außenpolitik steht, offiziell wegen Drogenhandel, Korruption und demokratischer Defizite, tatsächlich jedoch auch wegen seiner enormen Ölreserven und seiner geopolitischen Lage, und genau hier zeigt sich, wie eng strategische Überlegungen mit praktischer Politik verwoben sind, denn im Kontext von Project 2025 wird Venezuela nicht nur als Problem, sondern als strategisches Ziel betrachtet, dessen Regierung unter Nicolás Maduro durch politischen, wirtschaftlichen und – wenn nötigmilitärischen Druck geschwächt oder ersetzt werden soll (7).

Die USA haben in diesem Zusammenhang ihre militärische Präsenz in der Karibik verstärkt, Kriegsschiffe und Marineinfanteristen wurden nahe der venezolanischen Küste stationiert, offiziell zur Bekämpfung von Drogenkartellen wie dem sogenannten „Cartel de los Soles“, in das angeblich Regierungsmitglieder verwickelt sind (8), doch wer glaubt, dass solche Maßnahmen ausschließlich kriminalpolitischer Natur sind, verkennt die Logik geopolitischer Macht, denn militärische Präsenz ist selten neutral, sie ist immer auch ein Signal, eine Drohung, eine Option.

Gleichzeitig wurde aus politischen Kreisen deutlich gemacht, dass „keine Machtoption ausgeschlossen“ werde, um die Regierung Maduro zu schwächen (9), was weniger nach Polizeiarbeit klingt als nach strategischer Vorbereitung, und genau hier zeigt sich die Nähe zu den Prinzipien von Project 2025, das eine härtere Gangart gegenüber lateinamerikanischen Staaten vorsieht.

Diese Entwicklung wird von Beobachtern bereits als eine Art Rückkehr zur Monroe-Doktrin interpretiert, also jener historischen Vorstellung, dass die USA in Lateinamerika eine dominierende Rolle beanspruchen (10), und plötzlich wirkt Venezuela nicht mehr wie ein isolierter Fall, sondern wie ein Baustein in einem größeren geopolitischen Puzzle.

Ein ähnliches Muster zeigt sich im Iran, einem Land, das seit Jahrzehnten im Zentrum internationaler Konflikte steht, und auch hier taucht Project 2025 als strategischer Rahmen auf, insbesondere im Zusammenhang mit der Rückkehr zur Politik des „Maximum Pressure“, also maximalem Druck, der darauf abzielt, das iranische Regime wirtschaftlich und politisch zu destabilisieren (11).

Diese Strategie umfasst eine Kombination aus massiven Wirtschaftssanktionen, militärischen Maßnahmen und diplomatischem Druck, und im Juni 2025 kam es tatsächlich zu Angriffen auf iranische Atomanlagen in Natanz, Fordow und Isfahan, mit dem erklärten Ziel, das dortige Atomprogramm zu schwächen – ein Schritt, der nicht nur militärische, sondern auch politische Konsequenzen hat. Denn wenn wirtschaftlicher Druck zu einer schweren Krise führt, wenn diese Krise zu Protesten führt und wenn diese Proteste wiederum als Legitimation für weitere Maßnahmen dienen, dann entsteht eine Dynamik, die weniger nach spontaner Politik aussieht als nach strategischer Eskalation.

Parallel dazu wurde im US-Außenministerium eine personelle Umstrukturierung vorgenommen, bei der erfahrene Experten durch politisch loyale Personen ersetzt wurden, was laut Kritikern die Handlungsfähigkeit in der Region beeinträchtigt und zugleich die politische Linie stärker kontrollierbar macht – ein klassisches Element zentralisierter Machtpolitik.

Man könnte also sagen: Druck von außen, Kontrolle von innen.

Und genau dieses Prinzip findet sich auch im Umgang mit Kuba wieder, einem Land, das seit Jahrzehnten eine besondere Rolle in der amerikanischen Außenpolitik spielt, und auch hier zeigt sich eine deutliche Verschärfung der Maßnahmen, die sich erstaunlich gut mit den Leitlinien von Project 2025 deckt.

Im Januar 2025 wurde Kuba erneut als staatlicher Sponsor des Terrorismus eingestuft, was weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen hat, insbesondere im Bereich internationaler Finanztransaktionen und Energieversorgung (12), und gleichzeitig wurden Sanktionen verschärft, die gezielt auf die wirtschaftliche Stabilität des Landes abzielen.

Diese Strategie, die auf maximale Isolation setzt, führt zu massiven Problemen in der Energieversorgung, zu Stromausfällen und wirtschaftlicher Instabilität, und während offiziell von „Druck auf das Regime“ gesprochen wird, warnen Experten vor einer möglichen humanitären Krise.

Hinzu kommen politische Aussagen, in denen sogar eine mögliche „Übernahme“ oder Intervention angedeutet wird, was zeigt, dass die Grenze zwischen wirtschaftlichem Druck und militärischer Option zunehmend verschwimmt.

Befreiung durch Zusammenbruch, was auch unter „Ordo ab chao“ (Ordnung durch Chaos) bekannt ist.

Es sind diese paradoxen Formeln, die sich durch viele geopolitische Strategien ziehen, und die Frage, die sich hier stellt, ist nicht nur, ob diese Maßnahmen gerechtfertigt sind, sondern vor allem, ob sie tatsächlich das Ergebnis individueller politischer Entscheidungen sind – oder die Umsetzung langfristig geplanter Strategien.

Und dann ist da noch Grönland, ein scheinbar abgelegenes Gebiet, das plötzlich ins Zentrum geopolitischer Interessen rückt, nicht wegen seiner Bevölkerung, sondern wegen seiner Ressourcen und seiner strategischen Lage. Im Kontext von Project 2025 und einer verstärkten US-Arktispolitik wurde das Interesse an Grönland erneut intensiviert, insbesondere im Hinblick auf seltene Erden, militärische Stützpunkte wie Pituffik und die Kontrolle über zukünftige Handelsrouten, die durch den Klimawandel zunehmend zugänglich werden.

Was auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher geopolitischer Vorstoß wirkt, ergibt im größeren Kontext durchaus Sinn, denn hier geht es nicht um Land im klassischen Sinne, sondern um Einfluss, um Ressourcen, um strategische Positionierung im globalen Machtgefüge. Und genau hier schließt sich der Kreis, denn wenn man all diese Beispiele zusammennimmt – Venezuela, Iran, Kuba, Grönland – dann entsteht ein Bild, das weniger nach spontaner Politik aussieht als nach einem strukturierten Vorgehen, das sich über verschiedene Regionen hinweg wiederholt.

Druck aufbauen.

Instabilität erzeugen.

Einfluss sichern.

Macht ausweiten.

Die Frage ist nur: Wer entwirft dieses Muster?

Ist es ein einzelner Präsident, der die Welt nach seinen Vorstellungen formt, oder sind es Netzwerke aus Think Tanks, politischen Institutionen und wirtschaftlichen Interessen, die Strategien entwickeln, die dann von politischen Akteuren umgesetzt werden?

Donald Trump erscheint in diesem Kontext weniger als der alleinige Architekt dieser Politik, sondern eher als ihr sichtbarstes Gesicht, als derjenige, der Entscheidungen verkündet, die möglicherweise lange vor seiner Amtszeit vorbereitet wurden und genau hier wird die eingangs gestellte Frage wieder relevant, diesmal jedoch nicht mehr als theoretische Überlegung, sondern als praktische Beobachtung:

Ist Trump derjenige, der die Welt verändert – oder derjenige, der die Veränderungen sichtbar macht?

 

Die große Illusion: Helden, Systeme und das Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten

Es gibt in der Geschichte der Menschheit ein wiederkehrendes Muster, das so alt ist wie die ersten Mythen, so hartnäckig wie religiöse Überzeugungen und so wirkungsvoll wie jede politische Propaganda, und dieses Muster besteht darin, dass komplexe Zusammenhänge auf eine einzige Figur reduziert werden, auf einen Helden, einen Retter, einen Mann oder eine Frau, der oder die angeblich die Macht besitzt, die Welt zu verändern, das Böse zu besiegen und eine neue Ordnung zu schaffen, und genau in dieses Muster fügt sich auch die Figur Donald J. Trump ein, die für viele längst mehr ist als ein Präsident, sondern zu einer Projektionsfläche geworden ist, auf die Hoffnungen, Ängste und Erwartungen gleichermaßen geworfen werden.

Dabei ist es bemerkenswert, wie wenig sich die Grundstruktur dieser Erzählung im Laufe der Zeit verändert hat, denn ob es sich um religiöse Erlöserfiguren, revolutionäre Führer oder moderne Politiker handelt, die Mechanik bleibt gleich: Ein Problem wird identifiziert, eine Bedrohung wird benannt, und schließlich erscheint eine Figur, die verspricht, dieses Problem zu lösen und die Bedrohung zu beseitigen – oft verbunden mit der Aussicht auf ein „goldenes Zeitalter“, das nach dem Umbruch folgen soll.

Doch genau hier lohnt sich ein erneuter Blick in die Geschichte, denn die Idee eines solchen Zeitalters wurde nicht erst in modernen politischen Bewegungen formuliert, sondern bereits im Jahr 1917 von Wladimir Iljitsch Lenin propagiert, als Teil einer revolutionären Vision, die letztlich in einem System mündete, das millionenfaches Leid verursachte (13), und allein diese historische Parallele sollte ausreichen, um zumindest eine gewisse Skepsis gegenüber allzu einfachen Heilsversprechen zu entwickeln.

Denn das eigentliche Problem liegt nicht in der Existenz solcher Visionen, sondern in der Art und Weise, wie sie aufgenommen werden, denn je stärker eine Figur als Retter wahrgenommen wird, desto größer ist die Bereitschaft, Widersprüche zu ignorieren, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen und unbequeme Fragen auszublenden.

So entsteht ein Narrativ, das weniger mit Realität zu tun hat als mit Glauben.

Ein Präsident wird zur Ikone.

Ein politisches Programm zur Prophezeiung.

Ein strategisches Dokument zur Randnotiz, welches laut Donald Trump nicht existiert.

Und genau hier zeigt sich die eigentliche Gefahr, die nicht in einzelnen politischen Entscheidungen liegt, sondern in der kollektiven Wahrnehmung, denn wenn politische Prozesse auf einzelne Personen reduziert werden, dann verschwinden die Strukturen, die diese Prozesse überhaupt erst ermöglichen.

Project 2025 ist in diesem Zusammenhang ein besonders interessantes Beispiel, denn es zeigt, wie politische Strategien nicht spontan entstehen, sondern langfristig geplant, koordiniert und umgesetzt werden, getragen von Institutionen wie der Heritage Foundation und einem Netzwerk aus Organisationen, die tief in die politische Landschaft eingebunden sind (14).

Diese Strukturen sind es, die politische Kontinuität ermöglichen, unabhängig davon, wer gerade an der Spitze steht, und genau deshalb ist es letztlich zweitrangig, ob Donald Trump dieses Projekt kennt, gelesen hat oder öffentlich unterstützt, denn die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Präsident einen Plan formuliert, sondern ob er Teil eines Systems ist, das solche Pläne entwickelt und umsetzt. Und genau hier wird die Vorstellung vom „allein handelnden Führer“ problematisch, denn sie verdeckt die Realität, dass politische Entscheidungen das Ergebnis komplexer Prozesse sind, in denen Think Tanks, wirtschaftliche Interessen, geopolitische Strategien und institutionelle Strukturen zusammenwirken.

Donald Trump ist in diesem Kontext weder der allmächtige Strippenzieher noch die willenlose Marionette, sondern ein Akteur innerhalb eines Systems, das ihn zugleich trägt und begrenzt.

Ein System, das größer ist als jede einzelne Person.

Ein System, das sich nicht in einfachen Kategorien erfassen lässt.

Und genau deshalb ist es so anfällig für Missverständnisse.

Denn während die einen in Trump den Retter sehen, der angeblich gegen „die Eliten“ kämpft, übersehen sie möglicherweise, dass er gleichzeitig mit Netzwerken verbunden ist, die selbst Teil dieser Eliten sind, und während die anderen ihn als Gefahr betrachten, übersehen sie möglicherweise, dass viele der politischen Entwicklungen, die mit ihm in Verbindung gebracht werden, nicht erst mit ihm begonnen haben, sondern das Ergebnis langfristiger strategischer Planungen sind.

Die Wahrheit liegt – wie so oft – nicht in den Extremen, sondern in der Komplexität und genau diese Komplexität ist es, die in öffentlichen Debatten oft verloren geht, weil sie schwer zu vermitteln ist, weil sie keine einfachen Antworten liefert, weil sie keine klaren Helden und keine eindeutigen Schurken kennt.

Doch gerade deshalb ist es notwendig, sich ihr zu stellen.

Denn solange wir Politik als ein Spiel betrachten, das von einzelnen Figuren entschieden wird, werden wir immer wieder überrascht sein, wenn sich Entwicklungen fortsetzen, unabhängig davon, wer gerade an der Macht ist. Und solange wir glauben, dass ein einzelner Mensch die Welt retten oder zerstören kann, werden wir immer wieder enttäuscht werden.

Die eigentliche Herausforderung besteht also nicht darin, den „richtigen“ Politiker zu finden, sondern darin, die Strukturen zu verstehen, die Politik überhaupt erst ermöglichen.

Und genau hier schließt sich der Kreis dieses Essays, denn die Frage „Machthaber oder Marionette?“ ist letztlich zu einfach gestellt, weil sie suggeriert, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, während die Realität weitaus komplexer ist.

Donald Trump ist weder das eine noch das andere.

Er ist ganz einfach Teil eines Systems.

Ein System aus Ideen, Interessen, Strategien und Machtstrukturen.

Ein System, das nicht leicht zu durchschauen ist.

Und genau deshalb so anfällig für Mythen.

Oder, um es zugespitzt zu formulieren:

Vielleicht ist das größte Spiel nicht das, das auf der politischen Bühne gespielt wird, sondern das, das in unseren Köpfen stattfindet.

Apropos großes Spiel – ein Blick in unsere Vergangenheit: Wenn wir über geopolitische Strategien, über Regimewechsel, über wirtschaftlichen Druck und militärische Eskalationen sprechen, dann sollten wir uns vor allem eines immer wieder bewusst machen – dass hinter all diesen Entscheidungen nicht nur politische Ideen stehen, sondern sehr reale finanzielle Interessen, die von großen Institutionen, Konzernen und Netzwerken getragen werden, deren Einfluss oft weit über das hinausgeht, was öffentlich sichtbar ist.

Denn Kriege entstehen nicht im luftleeren Raum, sie benötigen Infrastruktur, Ressourcen, Finanzierung, und genau diese Strukturen waren es bereits in den 1930er- und 1940er-Jahren, die Konflikte nicht nur ermöglicht, sondern in vielen Fällen auch befeuert haben, indem wirtschaftliche Interessen mit politischen Entscheidungen verschmolzen und so ein System entstand, in dem Profit und Zerstörung eine unheilvolle Allianz eingingen.

Wer heute glaubt, dass sich diese Mechanismen grundlegend verändert haben, der unterschätzt die Kontinuität wirtschaftlicher Macht, die sich selten an Ideologien bindet, sondern vielmehr an Möglichkeiten, Einfluss zu sichern, Märkte zu kontrollieren und Gewinne zu maximieren – selbst dann, wenn der Preis dafür in menschlichem Leid gemessen wird.

Genau diesen Verflechtungen, diesen unsichtbaren Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und Krieg, widmet sich mein Buch „BLUTGELD – Die seelenlosen Profiteure des Todes“, in dem nicht nur historische Zusammenhänge aufgezeigt werden, sondern auch die Frage gestellt wird, welche Akteure tatsächlich von Konflikten profitieren und wie tief diese Strukturen in unsere Gegenwart hineinreichen.

Es geht dabei nicht um einfache Schuldzuweisungen, sondern um ein Verständnis dafür, dass Kriege selten das Ergebnis einzelner Entscheidungen sind, sondern das Produkt komplexer Systeme, in denen politische Macht, wirtschaftliche Interessen und strategische Planung ineinandergreifen – damals wie heute.

Und vielleicht ist genau das die unbequeme Erkenntnis, die am Ende dieses Essays stehen sollte:

Dass wir nicht nur über Politiker sprechen sollten, sondern über die Strukturen, die sie umgeben.

Nicht nur über Entscheidungen, sondern über die Interessen dahinter.

Und nicht nur über Geschichte, sondern über ihre Wiederholung in neuen Formen.

Denn nur wer diese Zusammenhänge erkennt, hat überhaupt eine Chance, sie zu hinterfragen.

 

Bitte werden oder bleiben Sie gesund, denn das ist das höchste Gut was wir haben.

Herzlichst
Ihr Alfred-Walter von Staufen


Abbildung:

  • Alfred-Walter von Staufen

Quellen:

(1)           https://www.helmut-kopetzky.de/lenin-kehrt-zurueck/
(2)           https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
(3)           https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
(4)           https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
(5)           https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
(6)           https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
(7)           https://www.bbc.co.uk/news/articles/c5yvvjw8pdvo
(8)           https://www.bbc.co.uk/news/articles/c5yvvjw8pdvo
(9)           https://www.bbc.co.uk/news/articles/c5yvvjw8pdvo
(10)        https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/lateinamerika-monroe-neuauflage-100.html
(11)        https://www.democracy2025.org/response-center/dcpd-202500223
(12)        https://www.deutschlandfunk.de/trump-project-2025-100.html
(13)        https://www.helmut-kopetzky.de/lenin-kehrt-zurueck/
(14)        https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025

Autor

  • Porträt von Alfred-Walter von Staufen, Autor und Essayist bei Freunde der Erkenntnis

    Alfred-Walter von Staufen, geboren 1969 in der DDR, begann als Wasserwerker und Industriemeister – in einer Welt, in der Systeme funktionieren müssen, nicht diskutiert werden. Nach Jahren in Industrie und Maschinenprogrammierung verlagerte eine schwere Erkrankung seine Arbeit ins Digitale und schließlich ins Analytische.

    Seit 2003 erforscht er politische Narrative, Machtstrukturen und Verwaltungsrealitäten. Seine Essays verbinden handwerklichen Systemblick mit publizistischer Präzision – stets mit der Frage, wie Denken gelenkt wird und wo Systeme sich selbst im Weg stehen.

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