Februar 2026: Alarmkarten, Eisberg-Operetten und der Friedensengel mit Luftschlägen – ein Monatsrückblick zwischen Kölsch, Klima und Konfetti
Ich wollte nur meine Tomaten checken, aber dann kam das Fernsehen
Der Februar begann bei mir, wie er bei vielen beginnt, nämlich nicht mit großen Weltfragen, sondern mit einem kurzen Blick nach draußen, weil man morgens wissen möchte, ob man gleich rutscht, friert oder beides, und ich stand auf dem Balkon, schaute auf die Kästen, in denen irgendwann wieder Tomaten wachsen sollen, und stellte fest, dass sie im Winter eine erstaunlich klare Kommunikationsstrategie haben: Sie machen nichts, sie dramatisieren nichts, sie schicken keine Push-Nachricht an die Nachbarschaft, sie rufen nicht „Extrem!“ und sie verlangen auch kein Sondervermögen zur Förderung der inneren Reife – sie warten einfach darauf, dass es wieder wärmer wird, so wie Pflanzen das seit Jahrhunderten tun, ohne dafür ein Expertengremium einzuberufen.
Drinnen lief der Fernseher, und der Fernseher tat das, was er inzwischen reflexartig tut, sobald ein Wetterphänomen auch nur ansatzweise nach Jahreszeit aussieht: Er übernahm die Regie über das Gefühlshaushaltssystem der Republik, zog die Alarmfarben aus der Schublade, packte Begriffe aus, die klingen wie die Kapitelüberschriften eines Katastrophenromans, und machte aus „Winter“ etwas, das sich anfühlte wie ein Angriff – nicht auf Straßen, nicht auf Autos, sondern auf die Seele des Publikums, dem man mittlerweile offenbar nicht mehr zutraut, ein paar Minusgrade auszuhalten, ohne dass ein Studio ihm vorher erklärt, dass Minusgrade ein Thema sind.
Und damit wären wir mitten im Februar 2026, jenem Monat, der in Deutschland traditionell dafür zuständig ist, uns daran zu erinnern, dass wir zwar technologisch vieles können, aber emotional immer noch an der Wetter-App hängen wie an einem Herzschrittmacher, der nicht das Herz, sondern den Mut regelt.
Absolute Panik in den öffentlich-rechtlichen Wetterstudios – weil wir etwas Winter hatten
Ich möchte das Wetter nicht unterschätzen, und ich möchte auch nicht so tun, als sei Glatteis eine Bagatelle, denn wer einmal gesehen hat, wie ein Mensch auf gefrorenem Asphalt elegant seine Würde verliert, der weiß, dass Physik gnadenlos ist und Sturzprophylaxe keine Ideologie, sondern reine Vernunft; aber ich möchte dennoch festhalten, dass die öffentlich-rechtlichen Wetterstudios im Februar 2026 eine Form von Alarmbereitschaft an den Tag legten, als hätte der Himmel persönlich beschlossen, die Programmdirektion zu destabilisieren, und als müsse man das Publikum in jenem Tonfall adressieren, in dem man sonst nur Menschen anspricht, die gerade dabei sind, die Mikrowelle mit Alufolie zu betreiben.
Es war nicht einfach „kalt“, es war „extrem kalt“, es war nicht einfach „Schnee“, es war „Schneelast“, es war nicht einfach „Wind“, es war „Sturmgeschehen“, und irgendwo im Hintergrund sah man auf den Karten diese Farbcodes, die inzwischen so knallig sind, dass man meinen könnte, sie seien nicht zur Information gedacht, sondern zur emotionalen Aktivierung, denn ein sanftes Blau wirkt in dieser Republik mittlerweile wie Untätigkeit, während Violett so wirkt, als sei wenigstens irgendjemand „dran“.
Ich habe nichts gegen Warnungen, ich habe nur etwas gegen Dauerwarnungen, weil Dauerwarnungen die Wirkung zerstören, so wie ein Rauchmelder, der permanent piept, irgendwann nicht mehr als Lebensretter, sondern als Geräuschkulisse wahrgenommen wird, und ich frage mich seit Jahren, ob wir nicht längst in einem Zustand leben, in dem das, was eigentlich „Einordnung“ heißen sollte, in Wahrheit „Dramaturgie“ ist, und Dramaturgie hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie immer eine Steigerung braucht, weil sonst niemand mehr dran bleibt.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum aus einem normalen Wintertag eine Sendung wird, aus einer Schneeflocke ein „Ereignis“, und aus dem Satz „Ziehen Sie sich warm an“ eine „Warnlage“, denn wenn man die Menschen nicht mehr über Inhalte hält, hält man sie über Gefühle, und Gefühle sind nun einmal am leichtesten zu erzeugen, wenn man die Welt als permanenten Ausnahmezustand inszeniert.
Das Problem ist nur: Wenn alles Ausnahme ist, ist nichts mehr Ausnahme, und wenn man den Winter als Krise verkauft, dann hat man ein kommunikatives Problem, sobald die wirkliche Krise kommt, weil das Publikum dann entweder abstumpft oder in eine Form von Dauerangst kippt, die mit rationaler Vorsorge nichts mehr zu tun hat, sondern eher mit mentaler Erschöpfung, und Erschöpfung ist bekanntlich der Zustand, in dem man am leichtesten manipulierbar wird, weil man nicht mehr denkt, sondern nur noch reagiert.
2) Eisberge auf der Elbe – es fehlten nur noch Pinguine, Eisbären und Trumps Grönland-Blick
Dann kam diese Sache mit den „Eisbergen auf der Elbe“, eine Formulierung, die so groß ist, dass sie eigentlich eine Eintrittskarte braucht, denn „Eisberg“ klingt nach Titanic, nach Weltliteratur, nach Schicksal, nach einer Menschheit, die aus Hybris gegen Natur prallt, während „Eisscholle“ eher klingt wie „Vorsicht, nass“, und das ist vermutlich der Grund, warum wir in Deutschland inzwischen sprachlich gern das Größere wählen: Es knallt besser, es klingt bedeutender, und Bedeutung ist das, wonach wir gieren, wenn uns der Alltag zu banal erscheint.
Ich habe mir das angeschaut, und was man sah, waren Eisschollen, hübsch anzusehen, ein bisschen romantisch, ein bisschen gefährlich, je nachdem, wie nah man herangeht, aber keine Eisberge, es sei denn, man hat seine Maßstäbe so sehr verschoben, dass man einen Bierdeckel für einen Kontinent hält, weil er im falschen Licht fotografiert wurde.
Und trotzdem: In der Fantasie fehlten wirklich nur noch die Pinguine, die geschniegelt in Reihe stehen und den Wettermoderator anstarren, sowie ein Eisbär, der sich höflich beschwert, dass er in Hamburg keine ordentliche Robbe bekommt, und irgendwo in dieser Fantasie landet dann Donald Trump am Flughafen, blickt auf die Elbe, sagt „Nice Greenland“ und bietet an, den Fluss zu kaufen, weil er strategisch relevant sei und außerdem gut zur neuen Zollpolitik passe.
Das ist natürlich überzeichnet, aber Überzeichnung ist manchmal die einzige Sprache, in der man die Überzeichnung der Realität wieder erkennt, denn wenn wir anfangen, jedes kleine Naturphänomen in die Rhetorik der großen Katastrophe zu pressen, dann verlernen wir die Zwischenstufen, die Normalität, die Fähigkeit zu sagen: „Das ist unerquicklich, aber beherrschbar“, und stattdessen rutschen wir in eine Kultur, in der es nur noch zwei Zustände gibt: Alles ist okay – oder alles ist schlimm – und beides ist meistens falsch.
Man könnte sogar sagen: Der Februar 2026 war nicht so sehr ein Wintermonat, sondern ein Monat der Maßstabsverschiebung, und die Maßstabsverschiebung ist das eigentliche Problem, weil sie das Denken überfordert, und überfordertes Denken sucht sich einfache Erklärungen, einfache Feinde, einfache Helden, und genau in diesem Klima gedeihen dann nicht Tomaten, sondern Narrative.
Gil Ofarim wird König des Dschungels – und wir merken: Wir haben wahrlich Probleme
Während also draußen die Eisschollen wuchsen und im Fernsehen die Alarmfarben, gab es ein Ereignis, das mit beeindruckender Zuverlässigkeit zeigt, wie ein modernes Gemeinwesen seine Prioritäten sortiert, nämlich nach Sendezeit: Gil Ofarim wurde bei RTL König des Dschungels, und das Beeindruckende daran war nicht die Krone aus Plastik, sondern die Tatsache, dass die Republik es schaffte, im Vorfeld einen Aufschrei zu produzieren, dann während der Sendung einen weiteren Aufschrei zu produzieren, und beim Auszug und der Krone-Übergabe noch einmal so zu tun, als stehe die moralische Verfassung des Landes auf dem Spiel.
Ich kenne Menschen, die bei komplexen politischen Vorhaben nicht einmal wissen, worum es geht, weil sie schlicht keine Zeit haben, sich einzuarbeiten, aber sie wussten sehr genau, wer wann im Dschungel was gesagt hat, wer wie geguckt hat, wer welche Miene zog, und warum das alles „nicht geht“ oder „endlich mal“ oder „ein Skandal“ sei, und ich will niemandem den Spaß verderben, aber wenn die moralische Energie einer Gesellschaft vor allem dort auftritt, wo es um Fernsehformate geht, dann sollte man nicht so tun, als seien Talkshows das Problem, sondern man sollte sich fragen, warum reale Probleme so wenig emotionalen Zündstoff liefern, dass man ihn künstlich im Entertainment sucht.
„Daran sieht man, dass wir wahre Probleme in unserem Land haben“, sagte ein Bekannter, und ich musste lachen, weil der Satz natürlich als Pointe gemeint war, aber in seiner Übertreibung einen Kern hat: Wir leben in einem Land, das über Wohnungsnot, Pflege, Bildung, Infrastruktur, Bürokratie, Energiepreise und demografische Realität diskutiert – und dennoch gelingt es uns, an einer Dschungelkrone eine moralische Generaldebatte aufzuhängen, als wäre das Unterhaltungsfernsehen ein Ersatzparlament.
Am Stammtisch wiederum sagte Horst: „Siehste, Robert, das Volk entscheidet“, und Mehmet – Gott segne ihn – antwortete: „Für 50 Cent pro Anruf“, und damit war eigentlich alles gesagt, was man über die neue Form der Partizipation wissen muss: Wir wollen Einfluss, aber bitte bequem; wir wollen Demokratie, aber bitte als Event; wir wollen Moral, aber bitte in Portionen, die zwischen Werbung und Dschungelprüfung passen.
Das ist nicht nur lächerlich, es ist auch traurig, weil es zeigt, dass wir den öffentlichen Raum oft nicht mehr als Raum des Arguments nutzen, sondern als Raum der Inszenierung, und Inszenierung ist wie Zucker: kurz kickt es, lange macht es träge.
4) Trump kippt Klimaziele wegen „leninistischem Plot“ – und ich gebe Trumpi erstmals teilweise Recht
Dann kam Donald Trump, und Trump kam nicht leise, sondern wie immer mit diesem Gefühl, dass er sich selbst schon applaudiert, bevor der Satz zu Ende ist, und er sprach davon, dass hinter seinem Kurs gegen Klimaschutz ein „leninistischer Plot“ stecke – eine Formulierung, die man sich eigentlich nicht ausdenken kann, weil sie klingt, als hätte jemand in einer Themenbox zufällig „Lenin“ gefunden und beschlossen, dass ein historischer Name automatisch Seriosität erzeugt, wenn man ihn nur kräftig genug in die Kamera wirft.
Und jetzt kommt der Moment, an dem ich selbst kurz die Augen zusammenkneife, weil ich nie gedacht hätte, dass ich das schreiben würde: Zum ersten Mal gebe ich Trumpi in einem Punkt recht – nicht weil Lenin irgendwo im Schatten die Schalter zieht, nicht weil Klimaschutz per se eine Verschwörung wäre, sondern weil ich seit Jahren beobachte, wie politische Projekte dort scheitern, wo sie nicht als gemeinsame Aufgabe erklärt werden, sondern als moralische Identitätsprüfung, bei der man entweder zu den Guten gehört oder eben zu den „Problematischen“, und wenn man „problematisch“ ist, dann wird man nicht überzeugt, sondern belehrt.
Klimapolitik kann nur funktionieren, wenn sie als realistische, soziale, technische und wirtschaftliche Transformation erklärt wird, bei der man Menschen mitnimmt, statt sie zu beschämen, und wenn man Menschen mitnimmt, dann muss man mit ihnen sprechen, statt über sie, und man muss auch akzeptieren, dass Menschen Fragen haben, die nicht automatisch böse sind, nur weil sie unbequem sind; aber in vielen Debatten wurde aus dem Klima längst ein Marker, ein Lager, ein Signal, und sobald Politik in Signalen spricht, entsteht automatisch Gegenpolitik in Signalen, und Trump ist das Signalwesen schlechthin, weil er aus jedem Thema ein Identitätskampfangebot macht.
Ich bin also erstaunt über mich selbst, dass ich an dieser Stelle nicht nur lache, sondern kurz nicke – nicht über Lenin, sondern über die Mechanik, die dahinter steckt: Wer Menschen dauerhaft in moralische Ecken drängt, sollte sich nicht wundern, wenn sie irgendwann jemanden wählen, der ihnen das Gefühl gibt, aus der Ecke wieder herauszukommen, selbst wenn dieser Jemand dabei das Mobiliar zerlegt.
Und während ich das schreibe, schaue ich kurz auf meine Tomatenkästen: Die wachsen nicht schneller, wenn ich sie anschreie; vielleicht gilt das auch für Gesellschaften.
Der „Man of Strafzoll“ bei der UN: Friedensrhetorik als Selbstlob-Disziplin
Am 24.02.2026 sprach Trump bei der UN-Vollversammlung, und wer seine Auftritte kennt, der weiß: Das ist nie nur eine Rede, das ist eine Selbstaufführung mit dem Anspruch, dass die Welt bitte begreifen möge, wie großartig der Mann ist, der gerade spricht, weil er sonst leider beleidigt sein könnte, und beleidigte Menschen neigen bekanntlich dazu, Dinge zu tun, die man später „Fehlkommunikation“ nennt, obwohl es in Wahrheit Macht ist.
Nach Berichten lobte er sich dort für seine Politik, sprach davon, London wolle die Scharia einführen, behauptete, er habe sieben Kriege beendet, nannte Konflikte, die es so gar nicht gab, und war besonders stolz auf die angebliche Befriedung zwischen Israel und Iran – eine Befriedung, die vier Tage später eine bemerkenswerte Fortsetzung erhielt, als Bomben in Richtung Iran geschickt wurden, was man, wenn man böse wäre, als „Friedensarbeit mit Nachdruck“ bezeichnen könnte, oder, wenn man ehrlich ist, als das, was es ist: ein Widerspruch, der in der Rhetorik unsichtbar gemacht werden soll.
Und ich frage mich an solchen Stellen immer: Warum funktioniert das? Warum wirken solche Reden, obwohl sie voller Übertreibung sind, obwohl sie mit Behauptungen arbeiten, die nicht tragen, obwohl sie Konflikte erfinden, um sie anschließend heroisch zu „lösen“? Vielleicht, weil ein Teil der Welt längst so müde ist vom komplizierten Denken, dass er sich nach einfachen Geschichten sehnt: „Ich war’s“, „ich hab’s“, „ich bin der Beste“, „ich hab Frieden gemacht“, „ich hab Ordnung geschaffen“ – und wer das sagt, wirkt stark, auch wenn es nur eine Erzählung ist.
Das Tragische ist: Stärke wird dann nicht mehr als Fähigkeit verstanden, Komplexität auszuhalten, sondern als Fähigkeit, Komplexität zu verdrängen, und das ist ungefähr so, als würde man den besten Kapitän den nennen, der bei Sturm die Augen schließt, weil er dann nichts mehr sieht.
„Grönländer“ statt „Amerikaner“ – Teigwaren-Diplomatie aus Niedersachsen
Und dann, als würde das Universum in diesem Februar aktiv daran arbeiten, meine Notizen zu füllen, kam die Meldung, dass eine Bäckerei nun „Grönländer“ statt „Amerikaner“ verkauft, um ein Zeichen der Solidarität mit Dänemark und Europa zu setzen; das ist so deutsch, dass ich kurz gerührt war, weil es zeigt, wie wir Probleme gern symbolisch bearbeiten: Nicht durch Diplomatie, nicht durch Strategie, sondern durch Umbenennung im Sortiment.
Ich stelle mir vor, wie in irgendeinem internationalen Krisenkabinett jemand sagt: „Wir brauchen ein Zeichen“, und in Deutschland antwortet man: „Moment, wir haben Streusel“, und irgendwo ist das auch charmant, weil es friedlich ist, aber es zeigt zugleich, wie sehr wir uns an Symbolhandlungen gewöhnt haben, die sich gut anfühlen, aber wenig verändern, und wenn man zu viele Symbolhandlungen macht, entsteht ein Zustand, in dem man glaubt, man habe gehandelt, obwohl man nur umbenannt hat.
Ich will das nicht verachten – ich finde es sogar witzig –, aber ich möchte es einordnen: Wenn die Welt brennt und wir die Kuchentheke neu beschriften, dann ist das mindestens ein Hinweis darauf, dass wir dringend mehr Ebenen brauchen, auf denen wir über Politik sprechen, nämlich Ebenen, die zwischen „alles egal“ und „alles moralisch“ liegen.
Karneval in Kölle – oder wie ich es nenne: „Wildpinkeln im Veddel“
Und dann kam Karneval, dieses kölsche Naturgesetz, das selbst die strengste Debatte in eine Pappnase verwandeln kann, und ich liebe Karneval, weil er eine soziale Funktion hat, die viele unterschätzen: Er erlaubt es, sich über Mächtige lustig zu machen, ohne dass man dafür eine Talkshow braucht, und er erlaubt es, gemeinsam zu lachen, ohne dass man vorher einen Gesinnungstest bestehen muss, was in der heutigen Zeit eine Art demokratische Wellness ist.
Aber ich nenne ihn eben auch „Wildpinkeln im Veddel“, weil Kultur immer zwei Seiten hat: die poetische und die praktische, die Seite der Lieder und die Seite der Reinigungskräfte, die Seite der Tradition und die Seite der Menschen, die am nächsten Morgen feststellen, dass Freiheit auch Verantwortung bedeutet, besonders wenn man sie flüssig konsumiert.
Karneval zeigt das große Talent dieser Stadt: Köln kann gleichzeitig politisch, ironisch, sentimental und komplett daneben sein, und vielleicht ist das ehrlicher als so mancher moralische Diskurs, der nach außen sauber wirkt, aber innen voller Aggression steckt.
Olympia in Italien – die Welt als Medaillenrahmen
Ach ja, und weil der Februar noch nicht genug Programmpunkte hatte, war auch Olympia in Italien, und Olympia ist faszinierend, weil es zeigt, wie sehr wir uns nach klaren Ergebnissen sehnen: Gold, Silber, Bronze, Sieger, Verlierer, Hymne, Fahne, Ende. Das ist die Art von Klarheit, die man im politischen Alltag selten bekommt, und vielleicht schauen wir deshalb so gern Sport, weil er wenigstens so tut, als sei Leistung messbar und Wahrheit objektiv.
Gleichzeitig überfrachten wir Olympia oft mit Bedeutungen, die schwerer sind als jede Medaille: Da wird ein Rennen zur Nation, ein Sturz zur Schande, ein Sieg zur Bestätigung des Systems, und irgendwo dazwischen steht ein Mensch, der einfach nur schneller war – und der plötzlich eine Projektionsfläche wird für all das, was wir im Alltag nicht lösen können.
Ich liebe Olympia, aber ich wünsche mir manchmal, wir könnten Sport wieder mehr Sport sein lassen, statt jede Bewegung als Kommentar zur Weltlage zu lesen, denn wer in allem Politik sieht, sieht am Ende nichts mehr klar.
„Pause“ in der Schule heißt jetzt „Entdeckungszeit“ – die Pädagogik entdeckt das Marketing
Dann las ich diese Meldung aus Frankreich, dass ein Lehrer das Wort „Pause“ abschaffen und durch „Entdeckungszeit“ ersetzen wollte – und ich musste lachen, weil es so unfreiwillig komisch ist, dass man fast dankbar sein muss, dass die Realität noch Humor produziert, ohne dass man dafür Autoren bezahlen muss.
Ich stelle mir vor, wie Kinder künftig nicht mehr in die Pause rennen, sondern in die „Entdeckungszeit“ gehen, in der sie dann nicht mehr essen, sondern „nahrungsbezogene Selbstexploration“ betreiben, und ich sehe schon die Aushänge: „Bitte während der Entdeckungszeit nicht rennen, sondern dynamisch explorieren.“
Das Problem ist nicht, dass man Begriffe modernisieren will; das Problem ist, dass man manchmal glaubt, durch Begriffe die Wirklichkeit zu ändern, und das endet oft so, dass man zwar neue Worte hat, aber dieselben Probleme, nur jetzt mit mehr Silben.
Thailand-Schlagzeile: Gewalt bleibt Gewalt – aber die Debatte bleibt oft billig
Es gab auch eine Schlagzeile aus Thailand über einen gewalttätigen Vorfall rund um Sexarbeit, einen deutschen Touristen und mehrere Transfrauen; die konkrete Tat ist das eine, und Gewalt ist nie witzig, aber was mich in solchen Fällen beschäftigt, ist die Geschwindigkeit, mit der solche Meldungen in Deutschland nicht als Einzelfall betrachtet werden, sondern als Munition für irgendetwas, das man ohnehin schon sagen wollte.
Da wird dann nicht mehr differenziert zwischen individueller Verantwortung und gesellschaftlichen Fragen, zwischen Kriminalität und Identität, zwischen Ausbeutung, Macht, Armut, Tourismus, Abhängigkeit und dem ganzen komplexen Hintergrund, der Sexarbeit umgibt, sondern es wird reflexartig ein moralischer Kurzschluss gezogen, je nachdem, welcher Empörungs- oder Hämeimpuls gerade verfügbar ist.
Und genau diese Kurzschlüsse machen unsere Debatten so unerquicklich, weil sie uns nicht klüger machen, sondern nur lauter, und Lautstärke ist in der Regel das Gegenteil von Erkenntnis.
Der Schuh, der Umfallen verhindert – ich nehme zwei, falls es wieder später wird
Und zum Abschluss dieses Februars, der wirklich alles zu bieten hatte, was ein Monat an Absurditäten liefern kann, gab es noch die Meldung über einen britischen Wissenschaftler, der einen futuristischen Schuh kreiert haben soll, der verhindern kann, dass Menschen umfallen – und das ist, ohne Ironie, eine großartige Idee, weil sie Leben schützen kann, und gleichzeitig ist es natürlich auch ein Geschenk für meine Stammtischrealität, denn wenn wir ehrlich sind, ist Umfallen nicht nur ein Altersproblem, sondern manchmal auch ein „es war ein langer Abend“-Problem.
Ich stelle mir vor, wie dieser Schuh demnächst im Bundestag verteilt wird, damit Debatten nicht mehr aus dem Gleichgewicht geraten, aber das wäre vermutlich zu viel verlangt, denn gegen rhetorisches Umfallen hilft leider noch kein Gerät.
Fazit: Der Februar war ein Zirkus – und wir waren oft das Publikum, nicht die Regie
Was bleibt also vom Februar 2026? Ein Monat, in dem Wetter zur Sendung wurde, Eisschollen zur Eisberg-Operette, Entertainment zur moralischen Großdebatte, und ein US-Präsident zur dauerhaften Mischung aus Reality-Show und Weltpolitik, inklusive UN-Rede mit Selbstlob und anschließender Realität, die nicht zur Rhetorik passte.
Gleichzeitig zeigte dieser Monat aber auch etwas Tröstliches: Karneval als kulturelles Ventil, Sport als Moment klarer Regeln, und sogar eine Bäckerei, die mit Zuckerguss Außenpolitik spielen möchte – alles Zeichen dafür, dass Menschen versuchen, die Welt irgendwie zu sortieren, selbst wenn sie dabei manchmal in Symbolik ausweichen, weil Substanz anstrengend ist.
Und ich? Ich sitze am Stammtisch, höre zu, schreibe auf, versuche, nicht in Lager zu kippen, und erinnere mich daran, dass Vernunft selten spektakulär ist, aber überlebenswichtig; und wenn ich dann am Ende des Monats noch einmal auf den Balkon schaue, sehe ich die Tomatenkästen, die ganz unbeeindruckt von Alarmkarten, Dschungelkronen und UN-Auftritten sind, und ich denke: Vielleicht sollten wir Menschen uns auch ab und zu erlauben, einfach zu warten, statt sofort zu eskalieren.
Ich heiße Robert R. Manor. Und ich bleibe beim Restzweifel – weil Gewissheit heutzutage oft nur gut verkaufte Lautstärke ist.
Quellen:
- Quelle „Trump kippt Klimaziele“: Dazu gibt es Berichte, unter anderem hier: Quelle (WELT): „Leninistischer Plot“.
- Quelle zu „Der „Man of Strafzoll“ bei der UN: Friedensrhetorik als Selbstlob-Disziplin“: Hier dazu ein Faktencheck: Quelle (tagesschau Faktenfinder): Trump-Rede bei der UN.
- Quelle: NDR: Bäckerei verkauft „Grönländer“ statt „Amerikaner“.
- Quelle: FOCUS: „Pause“ soll „Entdeckungszeit“ heißen.
- Quelle: BILD: Bericht zum Vorfall in Thailand.
- Quelle: FOCUS: Futuristischer Schuh gegen Umfallen.





