Der Mann, der immer einen Plan hat

Es gibt in der politischen Geschichte immer wieder Figuren, die weniger durch ihre politischen Programme als durch ihre Persönlichkeit wirken, Figuren, die eine Bühne betreten und sofort das Gefühl erzeugen, dass sich die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes plötzlich auf sie konzentriert – nicht unbedingt, weil sie besonders klug, besonders moralisch oder besonders staatsmännisch erscheinen, sondern weil sie etwas ausstrahlen, das in der modernen Politik beinahe noch wichtiger geworden ist als Kompetenz: Präsenz.

Donald J. Trump ist eine solche Figur.

Man kann ihn bewundern oder verachten, man kann ihn für einen genialen politischen Instinktpolitiker halten oder für einen lautstarken Selbstdarsteller, der die Mechanismen moderner Medien besser verstanden hat als viele seiner Gegner, doch eines lässt sich kaum bestreiten: Trump beherrscht die Kunst der Selbstvergrößerung in einer Weise, die in der politischen Landschaft unserer Zeit fast einzigartig ist.

Er versteht es, sich selbst zu einer Geschichte zu machen.

Zu einer Marke.

Zu einem politischen Ereignis.

Während viele Politiker versuchen, ihre Worte sorgfältig abzuwägen, diplomatische Formulierungen zu wählen und Konflikte möglichst vorsichtig zu umschiffen, arbeitet Trump häufig mit einer ganz anderen Methode – mit der Methode der Übertreibung, der Zuspitzung und der Selbstgewissheit.

Und genau deshalb entstehen Sätze wie dieser:

„Ich habe für alles einen Plan.“

Ein Satz, der in seiner Einfachheit fast schon philosophisch wirkt, weil er eine uralte menschliche Sehnsucht anspricht – die Sehnsucht nach jemandem, der die Welt versteht, der die Kontrolle besitzt und der behauptet, eine Lösung für Probleme zu haben, die für viele Menschen längst unüberschaubar geworden sind.

Denn die Welt ist kompliziert geworden.

Geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise, wirtschaftliche Unsicherheiten, gesellschaftliche Spannungen und eine Informationsflut, die jeden Tag neue Krisenmeldungen hervorbringt, erzeugen ein Gefühl permanenter Instabilität.

Und genau in solchen Zeiten entstehen politische Figuren, die behaupten, sie hätten einen Plan.

Donald Trump ist vielleicht das bekannteste Beispiel dieser politischen Archetypen unserer Gegenwart.

Doch genau deshalb lohnt sich eine einfache Frage.

Eine Frage, die nicht aus politischer Leidenschaft entsteht, sondern aus nüchterner Beobachtung.

Ist Donald Trump wirklich der strategische Retter, als den ihn viele seiner Anhänger sehen wollen? Oder ist er vielleicht einfach ein Mensch mit einem sehr großen Ego, der gelernt hat, wie man in einer Welt voller Kameras und Schlagzeilen größer wirkt, als man tatsächlich ist?

Oder anders formuliert: Ist Donald Trump ein politischer Visionär oder schlicht ein egoistischer Egoist?

Ein Kommentar von Alfred-Walter von Staufen

Trump – ein egoistischer Egoist? – oder Die Kunst, größer zu erscheinen als man ist

Man kann von Donald Trump halten, was man will, man kann ihn für einen genialen politischen Strategen halten oder für einen überdimensionierten Selbstdarsteller, man kann ihn als Hoffnungsträger einer konservativen Gegenbewegung feiern oder als Symbol einer populistischen Politik kritisieren, doch eines lässt sich kaum bestreiten: Donald Trump besitzt ein außergewöhnliches Talent zur Selbstinszenierung, ein Talent, das ihn über Jahrzehnte hinweg von einem Immobilienunternehmer zu einer globalen politischen Figur gemacht hat, die selbst dann noch die Schlagzeilen beherrscht, wenn sie gar nicht mehr im Amt ist.

Diese Fähigkeit, sich selbst größer darzustellen, als es seine tatsächliche politische Rolle vielleicht rechtfertigen würde, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung in einer Welt, in der Aufmerksamkeit die wichtigste Währung darstellt, nämlich der Welt des amerikanischen Showbusiness, der Immobilienbranche und der medialen Öffentlichkeit, in der ein Name nicht nur eine Person beschreibt, sondern eine Marke darstellt.

Donald Trump hat früh verstanden, dass Politik im 21. Jahrhundert nicht mehr nur aus Programmen, Gesetzen und diplomatischen Gesprächen besteht, sondern immer stärker aus Bildern, Symbolen, Schlagzeilen und emotionalen Botschaften, die Menschen ansprechen, weil sie einfach, verständlich und kraftvoll formuliert sind.

Genau deshalb funktioniert seine politische Kommunikation oft nach einem erstaunlich einfachen Prinzip: Reduziere komplexe Zusammenhänge auf eine klare Botschaft und präsentiere dich selbst als die Person, die für diese Situation eine Lösung besitzt.

Ein aktuelles Beispiel für diese Art der politischen Inszenierung liefert eine Aussage, die Trump gegenüber der Washington Post gemacht haben soll, als er auf steigende Ölpreise im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen im Iran-Konflikt angesprochen wurde.

Trump erklärte, es gebe keinen Grund zur Panik wegen steigender Ölpreise, denn – so seine Worte – „Ich habe für alles einen Plan.“ [1]

Ein bemerkenswerter Satz.

Denn während geopolitische Konflikte normalerweise äußerst komplexe wirtschaftliche und politische Auswirkungen haben und während steigende Energiepreise für viele Menschen ganz reale finanzielle Probleme verursachen, reduziert Trump die gesamte Situation auf eine einzige Botschaft: Vertrauen Sie mir.

“Ich habe einen Plan.“

Für seine Anhänger ist genau diese Aussage ein Zeichen von Stärke.

Sie vermittelt das Gefühl, dass jemand die Kontrolle besitzt, dass jemand weiß, was er tut, und dass jemand bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Doch aus der Perspektive vieler Menschen, die ganz konkret mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, wirkt diese Aussage beinahe grotesk.

Denn während irgendwo zwischen Washington, Teheran und den globalen Energiemärkten politische Entscheidungen getroffen werden, steigen in vielen Ländern die Benzinpreise auf ein Niveau, das für zahlreiche Familien kaum noch bezahlbar ist.

Viele Menschen stehen heute vor einer sehr einfachen, aber zugleich brutalen Rechnung.

Tanken oder Essen.

Arbeit oder Lebensmittel.

Mobilität oder Haushalt.

Und während diese Menschen darüber nachdenken müssen, ob sie sich den Weg zur Arbeit noch leisten können, erklärt Donald Trump irgendwo in einem Interview, dass er einen Plan habe.

Na zum Glück hat er einen Plan.

Dann ist ja alles gut.

Dann ist es offenbar auch nicht weiter tragisch, wenn der Liter Benzin plötzlich Preise erreicht, bei denen viele Arbeitnehmer ernsthaft überlegen müssen, ob sie ihr Auto überhaupt noch nutzen können, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

Die Hauptsache ist, dass Trump einen Plan hat.

Doch genau an diesem Punkt beginnt eine interessante politische Beobachtung.

Denn trotz dieser offensichtlichen Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und wirtschaftlicher Realität feiern viele Trump-Anhänger solche Aussagen regelrecht, weil sie darin eine Form von Stärke sehen, die sie bei vielen traditionellen Politikern vermissen.

Trump präsentiert sich nicht als vorsichtiger Verwalter politischer Probleme.

Er präsentiert sich als der Mann mit dem großen Plan.

Und genau diese Inszenierung bildet den Kern seines politischen Mythos.

 

Der Mythos vom Retter

In bestimmten Teilen der sogenannten Q-Gemeinde und unter besonders überzeugten Trump-Anhängern existiert seit Jahren eine Erzählung, die Donald Trump nicht einfach als Politiker beschreibt, sondern als eine Art historische Erlösungsfigur.

In dieser Geschichte wird Trump als der Mann dargestellt, der angeblich 2016 als Präsidentschaftskandidat angetreten sei, um den sogenannten „Tiefen Staat“ zu zerstören, um die Kinder aus den Fängen einer satanischen Elite zu befreien, um die Menschheit von geheimen Machtstrukturen zu erlösen und schließlich ein neues „Goldenes Zeitalter“ einzuleiten.

Eine große Geschichte.

Eine dramatische Geschichte.

Eine Geschichte, die klingt wie ein Hollywood-Drehbuch.

In dieser Erzählung ist Trump nicht einfach ein Politiker.

Er ist der Held eines globalen Befreiungskampfes.

Der Mann, der gegen eine unsichtbare Macht kämpft.

Der Mann, der die Menschheit retten soll.

Doch genau hier beginnt die Realität mit der Fantasie zu kollidieren.

Denn die Vorstellung eines kommenden „Goldenen Zeitalters“ ist keineswegs eine neue Idee, die plötzlich im Umfeld von Donald Trump entstanden wäre, im Gegenteil.

Der Begriff eines politischen „Goldenen Zeitalters“ wurde bereits von zahlreichen revolutionären Ideologien der Geschichte verwendet.

Besonders bekannt ist er im Zusammenhang mit Wladimir Lenin, der davon sprach, dass die Menschheit im Sozialismus eines Tages eine klassenlose Gesellschaft erreichen werde, eine Zukunft, in der der Marxismus den „strahlenden Pfad“ in eine neue historische Epoche eröffnen würde. [2]

Das sei nur am Rande erwähnt.

Denn interessant ist vor allem, wie sich politische Mythen entwickeln.

Sie beginnen oft mit einem kleinen Funken Hoffnung.

Mit einer Idee.

Mit einer Sehnsucht.

Und irgendwann werden aus politischen Figuren fast religiöse Gestalten.

Doch genau an diesem Punkt lohnt sich eine einfache Frage.

Was, wenn Donald Trump gar nicht angetreten ist, um die Menschheit zu retten?

Was, wenn seine Motivation viel menschlicher war?

Was, wenn sie sogar erstaunlich banal war?

 

Die reale Wahrheit: Der Abend, an dem alles begann

Es gibt in der politischen Geschichte manchmal Momente, die auf den ersten Blick banal erscheinen, die aber im Rückblick eine erstaunliche symbolische Bedeutung erhalten, weil sie wie ein Brennglas wirken, in dem sich persönliche Kränkungen eines übergroßen Egos, politische Ambitionen und historische Entwicklungen auf überraschende Weise miteinander verbinden.

Ein solcher Moment hat sich am 30. April 2011 ereignet!

An diesem Abend fand in Washington das traditionsreiche White House Correspondents’ Dinner statt – eine jährliche Gala, bei der sich die politische und mediale Elite der Vereinigten Staaten versammelt, um für einen Abend die üblichen politischen Konflikte gegen humorvolle Selbstironie einzutauschen, während der amtierende Präsident traditionell eine Rede hält, in der er Politiker, Journalisten und gelegentlich auch prominente Gäste auf humorvolle Weise aufs Korn nimmt.

Unter den Gästen dieses Abends befand sich auch Donald Trump.

Damals war er noch kein Präsident, kein offizieller Politiker und auch kein Kandidat für ein politisches Amt. Er hatte bis Dato nicht einmal den Gedanken an eine Kandidatur verschwendet.

Er war ein immer an der Insolvenz vorbeigeschrappter Immobilienunternehmer, ein Reality-TV-Star und eine schillernde Figur der amerikanischen Boulevardöffentlichkeit, die vor allem durch ihre lauten und provokanten Aussagen Aufmerksamkeit erzeugte.

In jener Zeit hatte Trump eine Behauptung verbreitet, die in den Vereinigten Staaten enorme politische Aufmerksamkeit erzeugte.

Er erklärte öffentlich, Barack Obama sei möglicherweise gar nicht in den Vereinigten Staaten geboren und deshalb gar nicht berechtigt gewesen, Präsident zu werden.

Diese Behauptung wurde als sogenannte „Birther-Theorie“ bekannt.

Der Druck dieser Verschwörungserzählung wurde schließlich so groß, dass das Weiße Haus kurz vor dem Correspondents’ Dinner sogar Obamas echte Geburtsurkunde veröffentlichte, um diese Behauptung endgültig zu widerlegen. [3]

Doch Barack Obama entschied sich, diese Situation nicht nur politisch zu beantworten.

Nein, er antwortete mit Humor.

Während seiner Rede beim Correspondents’ Dinner wandte sich Obama direkt an Donald Trump und erklärte sinngemäß, niemand sei glücklicher über die Veröffentlichung der Geburtsurkunde als „The Donald“, denn nun könne er sich endlich wieder wichtigeren Fragen widmen – etwa der Frage, ob die Mondlandung gefälscht worden sei. [4]

Der Saal lachte.

Die Kameras schwenkten auf Donald Trump.

Und sein Gesichtsausdruck blieb bemerkenswert unbeweglich, ja sogar regelrecht versteinert, wie nach einer missglückten Botox-Behandlung.

Viele Beobachter beschrieben später, dass Trump während dieser Szene nahezu überschäumend vor Wut wirkte, während das Publikum lachte und applaudierte.

Wer sich diese Szene heute anschaut, erkennt sofort, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen politischen Witz handelte.

Es war eine öffentliche Demütigung, eine Demaskierung eines Reality-Darstellers, eines Laien-Schauspielers. Eine regelrechte Demütigung vor der gesamten politischen und medialen Elite der Vereinigten Staaten.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich die Szene hier ansehen: https://youtu.be/WjKF3TtaEJM.

 

Die Kränkung eines Ego

In der politischen Analyse taucht seit Jahren eine interessante These auf, die von verschiedenen Kommentatoren, Journalisten und politischen Beobachtern diskutiert wird. Sie lautet: Dieser Abend hat Donald Trump nachhaltig geprägt!

Einige politische Beobachter vertreten die Auffassung, dass Obama Trump an diesem Abend öffentlich lächerlich gemacht habe und dass diese Demütigung möglicherweise ein zusätzlicher Antrieb für Trumps spätere politische Ambitionen gewesen sein könnte. [5]

Natürlich lässt sich eine solche These nicht mathematisch beweisen, jedoch politische Entscheidungen entstehen selten aus einem einzigen Ereignis, wie wir alle wissen!

Doch wer sich mit menschlicher Psychologie beschäftigt, weiß, dass persönliche Kränkungen manchmal erstaunlich große politische Folgen haben können.

Vor allem dann, wenn sie derart öffentlich stattfinden.

Und vor allem dann, wenn sie den Stolz eines Menschen treffen, der sein gesamtes Leben damit verbracht hat, sich selbst als Gewinner zu inszenieren.

Donald Trump war immer ein Mann des großen Auftritts.

Ein Mann, der gewohnt war, im Mittelpunkt zu stehen, sogar wenn er allein im Raum ist 😉.

Ein Mann, der gewohnt war, bewundert zu werden, wie eine Wundertüte.

Und plötzlich saß er in einem Saal voller Politiker, Journalisten und Prominenter – und wurde zum Gegenstand eines Witzes.

Das Publikum lachte, nur Trump eben nicht.

Es ist daher zumindest plausibel, dass dieser Abend einen Eindruck hinterlassen hat.

Vielleicht sogar einen sehr starken und prägenden Eindruck: Der Präsidententitel als letzte Trophäe der Macht.

In verschiedenen Dokumentationen und Berichten über Donald Trumps politischen Aufstieg wird immer wieder eine bemerkenswerte Anekdote erwähnt.

Demnach soll Trump bereits damals sinngemäß gesagt haben, der Titel des Präsidenten der Vereinigten Staaten sei das einzige, was ihm noch fehle.

Dieses Zitat ist kein offiziell belegter Satz aus einer politischen Rede, sondern eher eine wiederkehrende Anekdote aus Interviews, Reportagen und Fernsehdokumentationen über seinen Weg in die Politik.

Doch selbst wenn diese Aussage nur sinngemäß überliefert ist, beschreibt sie eine interessante Realität. Donald Trump hatte bereits fast alles erreicht, was man im amerikanischen Geschäftsleben erreichen kann, inklusive zahlreicher Pleiten.

Er war reich.

Er war berühmt.

Er war eine Marke.

Doch es gab noch eine Bühne, die größer war als jede Reality-Show: Das Weiße Haus!

Und genau hier kollidiert die nüchterne Realität mit der romantischen Erzählung vieler Trump-Anhänger, denn während in der Q-Gemeinde erzählt wird, Trump sei 2016 angetreten, um die Menschheit zu retten, könnte die Wahrheit wesentlich einfacher sein.

Vielleicht wollte Donald Trump Präsident werden, nicht, weil er die Welt retten wollte, sondern weil er Präsident werden wollte, „um es allen zu zeigen“ und weil ein paar Witze eines amerikanischen Präsidenten möglicherweise sein Ego verletzt hatten.

Das ist eine banale Erklärung, eine menschliche Erklärung, aber nicht so spektakulär wie die späteren Märchen, die ihm nachgesagt werden.

Aber vielleicht auch eine realistischere Erklärung als die großen Mythen der sogenannten „White Hats“, die Trump als geheimen Retter der Weltgeschichte darstellen.

 

Mythos, Wirklichkeit und die Sehnsucht nach dem starken Mann

Wenn man die Geschichte Donald Trumps betrachtet, dann erkennt man sehr schnell, dass sich um seine Person eine Mischung aus Realität, politischer Strategie, öffentlicher Inszenierung und mythologischer Überhöhung gebildet hat, die in der modernen Politik inzwischen beinahe typisch geworden ist, denn politische Figuren werden heute nicht mehr nur nach ihren Entscheidungen bewertet, sondern auch nach den Geschichten, die über sie erzählt werden.

Donald Trump ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel.

Für seine Anhänger ist er der Mann, der gegen ein korruptes politisches Establishment kämpft.

Der Mann, der angeblich gegen den „Deep State“ antritt.

Der Mann, der die Wahrheit ausspricht.

Der Mann, der sich nicht von Medien oder politischen Eliten einschüchtern lässt.

Für seine Kritiker hingegen ist er das genaue Gegenteil.

Ein Populist von vielen.

Ein Egomane.

Ein politischer Unternehmer, der gelernt hat, Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem er Konflikte zuspitzt und politische Debatten emotionalisiert und das bis heute

Doch unabhängig davon, welche dieser beiden Perspektiven man einnimmt, lohnt sich ein nüchterner Blick auf eine viel größere Frage:

Warum funktionieren solche politischen Figuren überhaupt so gut?

Warum entsteht um einzelne Persönlichkeiten plötzlich eine beinahe religiöse Verehrung?

Die Antwort liegt möglicherweise weniger in der Person Donald Trumps selbst als vielmehr in der gesellschaftlichen Situation, in der viele Menschen leben.

Die moderne Welt ist kompliziert geworden.

Geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Krisen, steigende Energiepreise, technologische Umbrüche, Migration, gesellschaftliche Polarisierung und eine immer schnellere Medienlandschaft erzeugen ein Gefühl permanenter Unsicherheit.

Menschen mögen jedoch keine Unsicherheit.

Sie sehnen sich nach Orientierung.

Nach Klarheit.

Nach einfachen Antworten.

Und genau hier entsteht die politische Anziehungskraft von Figuren, die behaupten, einen großen Plan zu haben.

Wenn Trump sagt: „Ich habe für alles einen Plan“ [6], dann ist das weniger eine konkrete politische Strategie als vielmehr eine symbolische Botschaft.

Eine Botschaft, die lautet:

  • Vertraut mir.
  • Ich habe die Kontrolle.
  • Ich weiß, was ich tue.

In der politischen Geschichte gab es solche Figuren immer wieder.

Napoleon.

Caesar.

Lenin.

Stalin.

Hitler.

Oder auch zahlreiche revolutionäre Führer, die behaupteten, sie könnten die Gesellschaft grundlegend verändern und ein neues Zeitalter einleiten.

Das Problem solcher Figuren besteht allerdings darin, dass ihre politische Wirkung oft weniger auf realistischen politischen Programmen basiert als auf emotionalen Erwartungen.

Erwartungen, die selten erfüllt werden können.

Denn Politik ist selten heroisch.

Politik ist meist kompliziert.

Sie besteht aus Kompromissen.

Aus Verhandlungen.

Aus langsamen Entscheidungsprozessen.

Und genau deshalb wirkt die Vorstellung eines einzelnen starken Führers so verlockend.

Weil sie eine einfache Lösung für eine komplizierte Welt verspricht.

 

Die Wirklichkeit hinter dem Mythos

Wenn man also versucht, Donald Trump nüchtern zu betrachten, dann bleibt am Ende möglicherweise eine erstaunlich einfache Erkenntnis.

Trump ist weder der messianische Erlöser, als den ihn manche seiner Anhänger darstellen.

Noch ist er der absolute politische Ausnahmefall, als den ihn manche seiner Gegner beschreiben.

Er ist in vieler Hinsicht ein Produkt seiner Zeit.

Ein Produkt einer Mediengesellschaft, in der Aufmerksamkeit wichtiger ist als Detailpolitik.

Ein Produkt einer politischen Landschaft, in der Vertrauen in Institutionen abnimmt.

Und ein Produkt einer Gesellschaft, die zunehmend nach klaren Erzählungen sucht.

In diesem Kontext funktioniert Trumps politische Strategie erstaunlich gut.

Er bietet einfache Botschaften, weil komplizierte Sätze und weltpolitische Zusammenhänge einfach nicht sein Ding sind.

Er bietet klare Feindbilder: Ich gut, du schlecht und wenn du mein Freund sein willst, musst du erst über Los gehen und mir 20% Zölle zahlen.

Und dann ist das Versprechen eines großen Plans, wahrscheinlich ein Stadtplan von Moskau 😉!.

Doch genau hier beginnt auch die Verantwortung einer demokratischen Öffentlichkeit, denn Demokratien funktionieren nicht durch Erlösungsfiguren.

Sie funktionieren durch kritische Bürger.

Durch Menschen, die bereit sind, politische Aussagen zu hinterfragen, statt jeden Mundfurz als „wahrlich große Idee“ zu verstehen.

Durch Menschen, die verstehen, dass große Versprechen oft einfache Antworten auf komplizierte Fragen sind.

Vielleicht liegt die größte Ironie der Trump-Geschichte genau hier.

Die Wahrheit über Donald Trump könnte wesentlich unspektakulärer sein als viele Mythen.

Vielleicht wollte er nie die Menschheit retten.

Vielleicht wollte er einfach Präsident werden.

Vielleicht war es kein geheimer Plan zur Befreiung der Welt.

Vielleicht war es einfach nur Ehrgeiz.

Vielleicht war es nur Trotz und sehr wichtige „Förderer“. 

Und vielleicht sogar ein gekränkter Stolz nach einem Abend voller Witze im Jahr 2011.

Doch selbst wenn das so wäre, erzählt diese Geschichte letztlich weniger über Donald Trump als über unsere Zeit.

Über unsere Sehnsucht nach Helden.

Über unsere Neigung, politische Figuren zu überhöhen.

Und über unsere manchmal erstaunliche Bereitschaft, einfache Antworten auf komplexe Probleme zu glauben.

Denn am Ende bleibt eine einfache Wahrheit:

Demokratien brauchen keine Erlöser!

Sie brauchen Bürger mit Verstand.

Bitte werden oder bleiben Sie gesund, denn das ist das höchste Gut was wir haben.

Herzlichst
Ihr Alfred-Walter von Staufen


Abbildung:

  • Alfred-Walter von Staufen

Quellen:

[1] https://t.me/DDDDoffiziell

[2] https://socialistproject.ca/2022/01/lenins-socialism-from-the-perspective-of-the-future/

[3] https://www.abendblatt.de/politik/ausland/article106518878/Yes-he-can-Comedy-Obama-verspottet-Donald-Trump.html

[4] https://www.sueddeutsche.de/politik/trumps-absage-beim-korrespondenten-dinner-journalisten-mit-politikern-auf-du-und-du-1.3395563

[5] https://www.sueddeutsche.de/politik/white-house-correspondents-dinner-trump-von-der-lachnummer-zum-horror-kandidaten-1.2972596

[6] https://t.me/DDDDoffiziell

Autor

  • Porträt von Alfred-Walter von Staufen, Autor und Essayist bei Freunde der Erkenntnis

    Alfred-Walter von Staufen, geboren 1969 in der DDR, begann als Wasserwerker und Industriemeister – in einer Welt, in der Systeme funktionieren müssen, nicht diskutiert werden. Nach Jahren in Industrie und Maschinenprogrammierung verlagerte eine schwere Erkrankung seine Arbeit ins Digitale und schließlich ins Analytische.

    Seit 2003 erforscht er politische Narrative, Machtstrukturen und Verwaltungsrealitäten. Seine Essays verbinden handwerklichen Systemblick mit publizistischer Präzision – stets mit der Frage, wie Denken gelenkt wird und wo Systeme sich selbst im Weg stehen.

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